Arrogant und wehleidig

vor etwa 5 Stunden

Arrogant und wehleidig
Bildquelle: Apollo News

Friedrich Merz ist ein emotionaler Mensch. Wenn er in einer Synagoge das Leid jüdischer Deutscher während der Nazi-Zeit reflektiert, beginnt er, zu weinen. Wenn er kritisiert wird, beginnt er, bissig zu werden. Wenn er Heckenschützen vermutet, beginnt er, zu toben.

Das ist echt, das ist menschlich – und hebt ihn jedenfalls von Angela Merkel und Olaf Scholz ab, für die Unnahbarkeit, man könnte fast von Maschinenartigkeit sprechen, ja zum Instrument und zur Marke wurde. Es verschafft ihm aber auch einen Nachteil: Wenn es drauf ankommt, verliert Merz den Kopf. Es ist nicht nur so, dass Friedrich Merz seine Emotionen nicht im Griff hat. Es ist schlimmer: Seine Emotionen haben ihn voll im Griff.

Und diese Emotionen und Charaktereigenschaften, die ihn packen, sind allzuoft: Arroganz und Wehleidigkeit. Friedrich Merz, der sich gerne landauf, landab über die „Larmoyanz“ der Deutschen beklagt hat („Hören wir doch mal auf, so wehleidig zu sein in diesem Land“), ist der König in ebenjener Disziplin.

Es gibt ein wirklich lesenswertes Spiegel-Porträt über Friedrich Merz aus dem Jahr 2024. Unter dem Titel „Die Dämonen des Friedrich Merz“ beschreibt der Journalist Konstantin von Hammerstein dort Szenen aus Merz‘ Zeit als Parteichef. Es ist 2023, Merz sitzt vermeintlich fest im Sattel – doch dann kommt es kurz vor einem Parteitag zu einem internen Eklat.

Hendrik Wüst, sein Konkurrent in der CDU, schreibt einen Gastbeitrag in der FAZ. Er muss als Attacke auf Friedrich Merz verstanden werden: Wüst lobt Helmut Kohl und vor allem Angela Merkel, die für „Ausgleich“ und „Mitte“ gestanden hätten. Er schreibt: „Wer nur die billigen Punkte macht und den Populisten hinterherrennt, der legt die Axt an die eigenen Wurzeln und stürzt sich selbst ins Chaos“. Auch diesen Satz muss Merz auf sich beziehen.

Merz rastet daraufhin völlig aus. „Ich schmeiß hin!“, wird er von seinem Umfeld zitiert. Der Text beschreibt, „dass der Parteichef an diesem Nachmittag bereit ist, alles zu zerstören, auch den eigenen Lebenstraum.“ Den von der Kanzlerschaft. „Ich sag gleich im Bundesvorstand, dass der Wüst das machen soll“, tobt Merz. „Soll der doch auch morgen die Rede halten. Ich hab’ die Schnauze voll. Das ist eine Schweinerei!“

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