Manchmal schreibt die Realität Drehbücher, die selbst für die satirischen Untiefen des Internets zu absurd wären. Schauplatz ist das Vereinigte Königreich unter Keir Starmer, wo man derzeit bekanntlich wenig Spaß versteht, wenn es um Meinungsäußerungen im Netz geht. Doch während die Polizei damit beschäftigt ist, Facebook-Kommentare zu ahnden, hat sich die Regierung im digitalen Raum ein Eigentor geschossen, dessen humoristische Fallhöhe kaum zu überbieten ist.
Gestatten: Amelia. Lila Haare, Gothic-Look, skeptischer Blick. Sie ist der neue Star der „Dissident Right“, der Internet-Gegenkultur und all jener, die einfach Freude daran haben, den moralischen Zeigefinger des Establishments brechen zu sehen. Das Besondere an Amelia ist jedoch nicht ihre Popularität, sondern ihre Herkunft. Sie ist kein Werk von 4chan-Trollen oder rechten Grafikdesignern. Amelia ist, man höre und staune, ein staatlich finanziertes Produkt des britischen Innenministeriums.
Die Geschichte beginnt mit dem Programm „Prevent“, einer britischen Regierungsinitiative zur Extremismusbekämpfung. Um die Jugend von heute dort abzuholen, wo sie angeblich steht, finanzierte man das interaktive Lernspiel „Pathways“. Zielgruppe: 11- bis 18-Jährige. Die Mission: den Schülern beibringen, wie man Radikalisierung erkennt und vermeidet.
In der Logik der Spielentwickler brauchte es einen Antagonisten, eine Verführerin, die den armen Charlie auf die schiefe Bahn lockt. Amelia wurde als diese Warnung konzipiert. Sie ist im Spiel diejenige, die Dinge sagt wie: „Wir müssen unsere Kultur schützen“ oder die illegale Masseneinwanderung kritisiert. Sie ist der „Bösewicht“, der Charlie dazu verleiten will, selbst zu recherchieren – eine Tätigkeit, die das Spiel interessanterweise als Warnsignal für Radikalisierung einstuft.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










