Wenn es Bundeskanzler Friedrich Merz in der Apotheke zu kaufen geben würde, dann hieße er: Doppel-Merz. Mit der Kraft der zwei Merzen. Den Kanzler gibt es immer doppelt; das was er sagt und das, was er dann tut, was meistens das Gegenteil von dem ist, was er gesagt hat:
Zwischen „Sind wir denn wahnsinnig geworden“ und „Der erste Flieger ist da und es werden weitere kommen“ liegen gerade mal sieben Monate und eine Bundestagswahl.
Die ganze Folge „Achtung, Reichelt!“ finden Sie hier:
Nur den wenigsten deutschen Namen ist es vergönnt, als Verb in unseren Sprachgebrauch einzugehen. Die Familie Kärcher hat es mit ihren herrlichen Geräten geschafft. Kärchern bedeutet, eine Oberfläche abzustrahlen, bis auch das letzte Fitzelchen Schmutz verschwunden ist. Peter Hartz kam mit seinen Hartz-Reformen die zweifelhafte Ehre zu teil. Hartzen wurde zum umgangssprachlichen Wort für arbeitsloses Rumhängen, Konsole spielen und Kippen drehen auf Kosten des Sozialstaats.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist auf dem besten Weg, ebenfalls zum Verb zu werden. Merzen – das bedeutet inzwischen, sich nahezu täglich selbst zu widersprechen und teilweise im Wortlaut das Gegenteil von dem zu behaupten, was man vor wenigen Stunden noch versprochen hat.
Was schert mich mein Geschwätz von gestern?
Merzen – das ist das Einknicken beim leisesten Widerspruch, nachdem man eben noch mit besonders markigen, kernigen Worten vorangeprescht ist. Merzen – das bedeutet auch, die engsten Vertrauten und treuesten politischen Unterstützter blitzartig allein zu lassen, weil man es sich anders überlegt hat.
Ich möchte dem Herrn Bundeskanzler hier nicht ständiges Lügen vorwerfen, weil ich inzwischen überzeugt bin, dass er in seinem von Angst, Missgeschicken, Unberechenbarkeit und Sprunghaftigkeit getriebenen, manchmal fast fiebrigen Regierungsstil inzwischen selbst nicht mehr so genau weiß, was er eben noch erzählt hat. Außerdem scheint es mir so, dass unser Bundeskanzler ein tiefes Bedürfnis verspürt, jedem Menschen, den er trifft, zu erzählen, was er hören will.
Wie gesagt, ich möchte es gar nicht Lügen nennen, aber ich bekenne, dass ich Friedrich Merz kein einziges Wort mehr glaube und auch nie wieder glauben werde. Mehr noch: Dem Bundeskanzler noch zu glauben, ist für mich geradezu zur volkstümlichen Definition von Dummheit und politischer Naivität geworden. Nichts von dem, was Merz versprochen hat, hat er gehalten. Nichts von dem, was er erzählt hat, hat gestimmt. Auf kein Wort von Friedrich Merz konnte man sich verlassen. Nicht mal die Opposition widerspricht Merz ständig so energisch wie Merz sich selbst.
Es gibt kaum noch einen Merz-Satz, von dem nicht auch der gegenteilige Satz existiert. Merz wollte schon die Grenzen schließen und die Grenzen nicht schließen. Er wollte keine Schulden machen und Schulden machen. Er wollte eine Wehrpflicht, aber ohne Pflicht. Er wollte Israel unterstützen, aber nicht Israel unterstützen. Er wollte mit der AfD stimmen, aber niemals mit der AfD stimmen. Die Stimmung wird sich schnell drehen, aber es kann sogar noch schlimmer werden. Friedrich Merz wollte Migranten nicht mehr nach fünf Jahren einbürgern, will sie aber schon nach fünf Jahren einbürgern. Merz wollte, dass Links vorbei ist und mit Links regieren.
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