Seit fast drei Jahren sitzt Prinz Reuß bereits in Untersuchungshaft – ohne Urteil, ohne Hoffnung auf Freilassung. Ein alter Mann, der wie vergessen in einem ewigen juristischen Wartesaal feststeckt. Läuft hier etwas gewaltig schief? NIUS sprach mit seinem Anwalt Roman von Alvensleben und befragte das Oberlandesgericht Frankfurt zur Verhältnismäßigkeit der extrem langen U-Haft.
Bereits viermal klopfte es an die Zellentür von Prinz Reuß: Der alte Mann muss umziehen – innerhalb des Gefängniskomplexes. Es sind die kleinen Details, in denen sich das große Zermürbende zeigt. Auch im Gefängnis schafft man sich seine Routine, ein Mindestmaß an vertrauter Umgebung. Doch Prinz Reuß musste nun zum vierten Mal in der Haftanstalt umziehen – von einem Trakt in den anderen. Zum vierten Mal.
„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, sagt Anwalt von Alvensleben. Solche Umzüge erschweren alles: „Man hat sich gerade eingerichtet, dann kommt man wieder woanders hin. Zugang zu Akten ist ohnehin eingeschränkt. Von fünf Duschen funktionieren zwei – ich habe die Anstalt angeschrieben, keine Reaktion.“ Die Justizvollzugsanstalt kontert knapp: „Hier ist kein Wunschkonzert.“ Doch der Anwalt fragt: „Warum diese dauernden Umzüge?“ Geht es um Zermürbung?
Prinz Reuß spricht mit seinen Verteidigern Thomas Tschammer (l.), Roman von Alvensleben (2. v. l.) und Hans-Otto Sieg (r).
Was war passiert? Die „Reichsbürger“-Gruppe Reuß wurde mit einer medienwirksamen Anti-Terror-Razzia Ende 2022 bekannt. Insgesamt gut zwei Dutzend Beschuldigte sollen einen gewaltsamen Umsturz der Bundesregierung geplant haben, behauptet die Staatsanwaltschaft. Heinrich XIII. Prinz Reuß soll Rädelsführer gewesen sein. Dabei warnte selbst der ehemalige Innenminister Otto Schily früh: „Mein subjektiver Eindruck ist, dass diese eher skurrile Spinner-Truppe keine reale Bedrohung für Staat und Gesellschaft darstellt.“
Schon die öffentlichkeitswirksam inszenierte Razzia am 7. Dezember 2022 deutete darauf hin, dass es im Reichsbürger-Prozess nicht mit rechten Dingen zugeht: 52 Beschuldigte, 52 Hausdurchsuchungen in elf Bundesländern, angekündigt wie ein Staatsschutzdrama. Es sollte der gigantische Schlag gegen Rechts sein – das Symbol für die „Wehrhaftigkeit unserer Demokratie“.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










