Wenn Schulden stärker sind als Armeen: So rüstet man seinen Staat pleite

vor 9 Monaten

Wenn Schulden stärker sind als Armeen: So rüstet man seinen Staat pleite
Bildquelle: NiUS

Als Rom fiel, standen noch immer gut gerüstete Legionen an der Donau. Doch die Kassen waren leer ...

Heute laufen unsere Zeitungen über mit Berichten über Krieg und Konflikte einerseits und wirtschaftlichen Hiobsbotschaften andererseits. Um einen bloßen Zufall handelt es sich dabei nicht: Geopolitik und Ökonomie sind thematisch nicht nur eng verwandt, sondern so etwas wie zwei Seiten derselben Medaille. Astronomische Summen geistern durch Schlagzeilen und Pressemitteilungen, immer öfter scheitert die technokratische Selbsttäuschung vermeintlicher Experten an der militärischen und wirtschaftlichen Realität. Zeit also, sich endlich einmal diesem Thema zu widmen!

Große Mächte, nennen wir sie der Einfachheit halber pauschal „Imperien“, werden gemäß einer historischen Faustregel selten militärisch besiegt. Diese Feststellung klingt zunächst wie eine Binse, denn eine einigermaßen schlagkräftige, hegemoniale Macht wäre ja keine, wenn man sie mir nichts, dir nichts auf dem Schlachtfeld abräumen könnte. Auch über die Tatsache, dass zwischen Wirtschaft und Militär eine Wechselwirkung besteht, muss der geneigte Leser nicht mehr aufgeklärt werden: Dass das staatliche Gewaltmonopol auch wirtschaftliche Interessen absichern soll oder Streitkräfte sich nicht durch Luft und Liebe finanzieren lassen, ist so etwas wie Allgemeinwissen.

Doch das geopolitische Kunsthandwerk besteht nicht darin, allgemeingültige Aphorismen im Glückskeksstil zu formulieren. Einfacher: Jeder weiß, dass man ein Schiff nicht gegen einen Eisberg steuern sollte. Der Trick ist, rechtzeitig die richtigen Schlüsse zu ziehen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Um die Details wirtschaftlich-militärischer Zusammenhänge zu erkennen, werfen Strategen deshalb bestenfalls einen Blick in die Geschichte.

Diese Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass Imperien nicht besiegt werden, sondern bankrott gehen. Sicherlich, die historische Realität ist etwas vielschichtiger, doch das geflügelte Wort von der „spätrömischen Dekadenz“ hat nicht grundlos Einzug in unser Sprachzentrum gehalten. Auf den Höhepunkt einer Blüte folgt nicht selten kultureller Niedergang, wirtschaftlicher Abschwung und schließlich ein Zusammenbruch der militärisch-rechtlichen Ordnungsmechanismen einer Zivilisation. Wenn Sie das diffuse Gefühl haben, dass Sie unser Land momentan irgendwo zwischen den allerletzten Durchhalteparolen und verfrühten Unkenrufen einordnen würden, dann liegen Sie damit vermutlich nicht ganz falsch. Denn der „Westen“, und diese Anführungszeichen sind der Unschärfe des Begriffes wegen bewusst gesetzt, befindet sich an diesem Punkt.

In der vergangenen Woche hatte ich das Vergnügen, römische Ruinen in der englischen Stadt Bath zu besichtigen. Die alten Gemäuer haben einen Doppelcharakter: Sie zeigen den Höhepunkt und die Kraft der römischen Ausdehnung, immerhin ist Italien mit der Galeere nicht gerade leicht zu erreichen. Sie bezeugen aber auch unbestritten die Tatsache, dass das Römische Reich irgendwann untergegangen ist. Auf seinen Trümmern thronen die Überreste des britischen Empires, das spätestens seit der Nachkriegszeit ebenfalls nur noch als Folklore existiert.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von NiUS

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von NiUS zu lesen.

Weitere Artikel