Wenn die Berater-Branche die AfD beschimpft – und dabei doch nur in den Spiegel sieht

vor etwa 21 Stunden

Wenn die Berater-Branche die AfD beschimpft – und dabei doch nur in den Spiegel sieht
Bildquelle: Tichys Einblick

Den Namen Johannes Hillje können Sie, lieber Leser, gleich wieder vergessen. Wir brauchen ihn nur kurz an dieser Stelle, weil der Mann ein Buch geschrieben und ein Interview gegeben hat (das können Sie dann auch sofort von der Festplatte streichen).

Das Buch heißt „Propaganda 4.0“, ist knapp zehn Jahre alt und handelt von der AfD. Der Autor hat das Werk – wir nennen es ab hier aus guten Gründen Machwerk – jetzt überarbeitet, und es wurde neu aufgelegt. Das Branchenblatt „Politik & Kommunikation“ (P&K) hat es als „Standardwerk“ geadelt.

Damit ist schon viel gesagt, jedenfalls über das Blatt und über die Branche.

P&K hat mit dem Autor ein Interview geführt. Darin benennt Hillje „die vier Bausteine der AfD-Kommunikation“:

• Delegitimierung des Journalismus • Aufbau eines eigenen Medienökosystems • Erzeugung einer kollektiven Identität und • extreme Polarisierung.

Es sind vier Eigentore. Denn viermal zeigt der Mann mit dem Finger auf die AfD – und immer, wie in solchen Fällen ja üblich, zeigen in diesem Moment alle anderen Finger auf ihn und auf sein Milieu zurück.

Demokratiefeinde sind immer die anderen

Hillje beklagt wortreich die „Delegitimierung des Journalismus“ durch die AfD. Im selben Atemzug etikettiert er ihm missliebige Medienangebote als „pseudo-journalistisch“, „Türöffner-Medien“ und „Hofberichterstatter“. Wer außerhalb des von „Unsere Demokratie“ eingemauerten Meinungskorridors sendet, ist für den Autor unseriös und populistisch.

Hillje beklagt also eine „Herabsetzung“ des Journalismus, während er den Journalismus herabsetzt.

Das ist kein Zufall. Es hat System. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther von der CDU hat Anfang 2026 bei „Markus Lanz“ im ZDF „Nius und solche Portale“ (er meinte auch TE) als „Gegner“ und „Feinde von Demokratie“ bezeichnet. Wenn die AfD „Lügenpresse“ ruft, heißt es Delegitimierung. Wenn ein CDU-Ministerpräsident regierungskritische Medien zu Demokratiefeinden erklärt, heißt es Haltung. Propaganda von rechts ist schlecht. Dieselbe Propaganda (oder eine schlimmere) von links ist gut.

Weltbilder können so herrlich einfach sein, wenn man auf Selbstdistanz verzichtet.

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