Kaum ein anderes Symbol ist so eng mit unserem Empfinden von Weihnachten verbunden wie der Christbaum. Und er riecht – frisch, harzig, lebendig. Dieser Duft, den viele für das eigentliche Weihnachtsaroma halten, stammt aus den sogenannten Terpenen – leicht flüchtigen Kohlenwasserstoffen, die die Nadeln verströmen. Sie wirken beruhigend, leicht stimmungshebend und gehören zu den komplexesten Duftgemischen, die Pflanzen abgeben.
Doch mit dem Baum holt man sich nicht nur Wald und Wohlgeruch in die warme Wohnung, sondern auch ein kleines Ökosystem: winzige Pilzsporen, Bakterien, Staubpartikel. Ein genauer Blick auf Baum und Borke zeigen, dass sich auf der Rinde und den Nadeln eines Baumes mehrere hundert Arten von Mikroorganismen finden können – von harmlosen Bodenbakterien bis zu Schimmelpilzen. Unter dem Mikroskop entpuppt sich die vermeintlich glatte Tannennadel als Miniaturlandschaft: Rillen, Poren, feine Harztröpfchen – ideale Plätze für Kleinstlebewesen.
Wenn der Baum in die warme, trockene Heizungsluft gestellt wird, verändert sich sein Mikrobiom. Die Feuchtigkeit sinkt, Sporen lösen sich leichter von der Oberfläche. Messungen in amerikanischen und skandinavischen Wohnungen zeigten, dass die Zahl luftgetragener Schimmelsporen nach dem Aufstellen eines Weihnachtsbaums zunächst leicht ansteigt, nach etwa zehn Tagen aber ihr Maximum erreicht. Danach fällt sie wieder ab. Für gesunde Menschen ist das unbedenklich, bei Allergikern und Asthmatikern kann es aber Reizungen auslösen.
Abhilfe schaffen einfache Maßnahmen: Baum kurz abduschen, trocknen lassen, nicht zu lange stehen lassen, regelmäßig lüften. Auch ein Luftreiniger mit HEPA-Filter kann Spitzenbelastungen dämpfen. Im Übrigen stammen die meisten Bakterien in der Wohnung ohnehin nicht vom Baum, sondern von uns selbst – über Hautpartikel, Kleidung, Atemluft.
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