Weihnachten trotz allem!

vor 7 Monaten

Weihnachten trotz allem!
Bildquelle: Apollo News

Jeder Beruf kommt mit seinen eigenen Berufskrankheiten. Wer im Kundenservice arbeitet, hat schon vor vielen Jahren seinen Glauben an die Menschheit verloren, wer im Krankenhaus arbeitet, sieht in jeder Gesichtsfarbe Diagnosen, Anwälte sehen überall Konfliktpotenzial, Psychologen unverarbeitete Kindheitstraumata, Lehrer die Möglichkeit zur Belehrung. Mit dem Journalismus ist es nicht anders. Man hat nicht die Wahl, die Nachrichtenlage zu ignorieren, weil sie zu negativ ist, das ist der Job. Man kann bei peinlichen, dreisten, langweiligen oder unerträglichen Reden und Talkshowauftritten von Politikern nicht wegschalten, das ist der Job. Man kann die destruktiven Folgen der politischen Vorhaben für das Land und unsere Gesellschaft nicht verdrängen, denn auch die im Auge zu behalten, ist der Job.

Man muss sich davon distanzieren – Journalisten, die neu im Geschäft sind, oder Menschen, die nur politisch interessiert sind und nicht journalistisch arbeiten, kann man immer sehr leicht daran erkennen, worüber sie sich noch alles aufregen können. Was für sie noch ein Skandal ist. Wer in unseren Redaktionskonferenzen, in unseren Redaktionsräumen mal Mäuschen spielen würde, wäre wahrscheinlich erstaunt, wie abgeklärt geredet wird. Jede Kommunikation findet auf der fünften Ironieebene statt, mit Insiderwitzen, die sich gänzlich verselbstständigt haben und gewissermaßen eine eigene Sprache geworden sind.

Anders kann man kaum damit umgehen, dass Krieg, Wirtschaftskrise, Anschläge, Kriminalitätsstatistiken und dieses ständige, drückende Gefühl der Handlungsunfähigkeit einfach unser Job sind. Doch hierin liegt auch ein ganz entscheidender Vorteil, den wir durch unseren Job haben. Die teilweise deprimierende Nachrichtenlage, alle Gefühle, die das in einem auslöst und was das für unsere Zukunft bedeutet, das alles ist unser Job geworden. Und mit dem Job kommen Urlaub und Arbeitszeiten. Es beinhaltet Distanzierung, die Möglichkeit, die Gefühle gewissermaßen auszuschalten. Wie der Arzt, der in der Woche mit Hunderten Krebspatienten arbeitet, oder der Polizist, der den ganzen Tag mit Kriminalität und Leid konfrontiert ist.

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