Das BSW ist dem andernfalls sicher auch bundesweiten AUS mit 5.3 Prozent in Sachsen-Anhalt gerade nochmal entronnen. Dank Sahra Wagenknecht. Ob die Partei die damit jetzt zweite Chance nutzen wird, relevanter Akteur in der deutschen Politik zu werden, hängt wesentlich davon ab, ob das BSW die Rolle positiv annimmt und überzeugend ausfüllen kann, die ihm Wagenknecht mit der Positionierung als demokratiestabilisierende Funktionspartei in einem bisherige Strukturen aufbrechenden System wechselnder Mehrheiten zugeschrieben hat.
Mit strategischer Finesse, kommunikativer Chuzpe und einer medialen Präsenz, die an die Anfangsphase des BSW erinnerte, hat Sahra Wagenknecht ihre Partei bei den für das BSW schicksalhaften Wahlen am vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt über die neuralgische Fünf-Prozent-Hürde gehievt. Den Wahlkämpfern vor Ort soll ihr Anteil an dem Erfolg nicht abgesprochen werden. Die Kampagne des BSW wahlentscheidend geprägt aber hat Sahra Wagenknecht als Person und als Marke in gleich dreifacher Rolle:
Wagenknecht als strategische Leitfigur und machtbewusste Taktikerin in der Rolle der Königsmacherin, deren Partei – zu diesem Zeitpunkt in allen Umfragen zementiert bei lediglich vier Prozent – nach einem Einzug in den Landtag über die Regierungsbildung bestimmen wird. Wagenknecht als personifizierte Anti-Brandmauer und das BSW damit Garant eines Politikwechsels auch durch Zusammenarbeit mit der AfD. Wagenknecht schließlich als Sprengmeisterin etablierter Strukturen parlamentarischer Mehrheitsfindung; als charismatische Projektleiterin des Modells wechselnder, ausschließlich an Sachfragen orientierter Mehrheiten unter der moderierenden Führung eines parteiunabhängigen Ministerpräsidenten.
Was von dem Gros der traditionellen Medien und aus durchsichtigen Motiven von den Wettbewerbern im Wahlkampf als AfD-Anbiederung diskreditiert wurde, erweist sich im Nachhinein als ebenso wirksamer wie demokratiestabilisierender Weg, absolute Mehrheiten der AfD zu verhindern. Nicht länger ermöglicht eine anachronistische Brandmauer, sich mit der Erzählung von der isolierten Partei vor den realpolitischen Herausforderungen des verschleißenden Alltagsgeschäfts der repräsentativen, auf Konsens angewiesenen Demokratie schützen zu können.
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