Leihmutterschaft: Ein Verbot, das nicht mehr hält – und eine Frage, die größer ist als Politik

vor 3 Monaten

Leihmutterschaft: Ein Verbot, das nicht mehr hält – und eine Frage, die größer ist als Politik
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Die deutsche Regelung zur Leihmutterschaft ist eindeutig. Sie ist verboten. Im Embryonenschutzgesetz und im Adoptionsrecht ist klar festgelegt, dass weder Vermittlung noch medizinische Durchführung erlaubt sind. Auf dem Papier wirkt das wie eine abgeschlossene moralische Entscheidung. In der Realität ist sie das längst nicht mehr.

Während Deutschland die Praxis im eigenen Land untersagt, ist sie global längst Teil eines funktionierenden Marktes geworden. Finanziell gut gestellte Paare reisen ins Ausland, lassen dort Kinder austragen und kehren als Familie zurück. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret, mit Geburtsurkunden, Gerichtsbeschlüssen und neuen Lebensrealitäten. Das Verbot hält nicht mehr.

In diese Lücke zwischen Recht und Wirklichkeit stößt immer wieder die politische Debatte. Aktuell auch durch den Arzt und CDU-Politiker Hendrik Streeck. Seine Rolle ist dabei mehr Spiegel als Ausnahme.

Als Mediziner kennt er sicher die technische Seite der Reproduktionsmedizin, ihre Möglichkeiten und ihre Abläufe. Als Politiker bewegt er sich in einem System, das diese Möglichkeiten im Inland bewusst begrenzt. Und als Teil einer gesellschaftlichen Realität, in der Familien vielfältiger geworden sind, steht er für eine Perspektive, die das reine Verbot nicht mehr als ausreichend empfindet.

Dazu kommt eine weitere Dimension: seine Homosexualität. Sie verändert nicht seine Argumente, aber sie verändert den Blickwinkel. Für schwule Männer ist Leihmutterschaft nicht eine Option unter vielen, sondern oft die einzige Möglichkeit, überhaupt genetisch eigene Kinder zu bekommen. Dadurch wird aus einer abstrakten ethischen Frage schnell eine Frage der Gleichstellung. Wer darf Familie auf diese Weise leben, und wer nicht?

Diese Perspektive allein löst keine der offenen Fragen. Aber sie macht sichtbar, dass die Debatte nicht neutral geführt wird, sondern in sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten verankert ist.

In der öffentlichen Auseinandersetzung geht es viel um Rechte, Moral, Macht und Marktlogik. Was dabei oft zu kurz kommt, ist der Blick auf das Kind selbst.

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