Die Schlinge zieht sich zu: Die UniCredit kommt einer Übernahme der Commerzbank näher

vor etwa 2 Monaten

Die Schlinge zieht sich zu: Die UniCredit kommt einer Übernahme der Commerzbank näher
Bildquelle: Tichys Einblick

UniCredit-Chef Andrea Orcel, der das Übernahmegeschäft vor vielen Jahren bei der UBS-Investmentbank gelernt hat, kontrolliert nunmehr 34,35 Prozent der Anteile und hat damit freie Bahn für weitere Käufe, ohne ein höheres Pflichtangebot vorlegen zu müssen – da er bereits bei einem Anteilsbesitz von 26,77 Prozent im Mai ein Übernahmeangebot gemacht hatte. Der implizite Wert der angebotenen Unicreditaktien liegt bei etwa 35.80€, der aktuelle Commerzbankkurs bei etwas über 37,10€, die Marktkapitalisierung der Cobank bei knapp 42 Milliarden.

Da der aktuelle Kurs über dem UniCredit-Übernahmegebot liegt, sind die Commerzbank-Vorstände allerdings ins Grübeln gekommen, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Sie stellen die Frage: Wer verkauft freiwillig zu einem niedrigeren Kurs an die Unicredit, wenn man an der Börse mehr bekommen kann? Das angediente Volumen stamme offensichtlich vor allem von Banken und Gesellschaften, die der UniCredit über Derivate verbunden seien. Nach Auffassung des Commerzbank-Vorstands seien die „Daten ohne ergänzende Erläuterungen irreführend“ und begründeten den Verdacht eines Handelns mit dem Ziel, die UniCredit-Position in der Wahrnehmung des Marktes künstlich aufzublähen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) solle sich die Sache genau ansehen, forderten die Commerzbanker am Mittwochabend. Von der BaFin gab es bislang noch keine Stellungnahme. Außerdem erhielten Aktionäre einen Brief, wonach das Übernahmeangebot zu gering sei – obwohl es über dem derzeitigen Kurs liegt.

Mit der abermaligen Einschaltung der Aufsicht ist der Übernahmekampf eskaliert. Schon vor einigen Wochen waren die Aufseher tätig geworden. Damals stützten sie ihr Eingreifen auf das Wertpapiererwerbs- und übernahmegesetz (WpÜG), das während eines laufenden Akquisitionsverfahrens strikte Regeln für die Kommunikation vorschreibt. Der UniCredit-Chef hatte zuvor in einer Telefonkonferenz die Strategie der Commerzbank-Spitze scharf angegriffen. Die BaFin mahnte ihn daraufhin wegen unsachliche Äußerungen und suggestiver Prognosen ab und drohte empfindliche Bußgelder an.

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