Großbritannien hat seine eigenen Erfahrungen mit massiver Zuwanderung aus der islamischen Welt. Städte wie Birmingham, Bradford oder Leicester zeigen seit Jahrzehnten, wie tiefgreifend sich kulturelle Verhältnisse verschieben können, wenn politische Führung und intellektuelle Eliten Realitäten ignorieren. Umso bemerkenswerter ist es, wenn der britische Telegraph nach Deutschland blickt – nicht von oben herab, sondern als Land, das denselben Weg bereits gegangen ist und unter den enormen Belastungen einer kulturfremden Einwanderung zu verschwinden droht.
Hanau, Geburtsort der Brüder Grimm, ist dafür sein Ausgangspunkt. Auf dem zentralen Platz stehen die Brüder in Bronze, Sinnbild eines kulturellen Erbes, das einst selbstverständlich war. Doch wer sich heute von diesem Platz entfernt, sieht ein ganz anderes Bild: arabische Schriftzüge, Halal-Läden, afghanische Restaurants, Gespräche in Arabisch und Dari, Begrüßungen, die Jeffrey eher an seine Einsätze im Nahen Osten erinnern. Dass er beim Anblick eines „Kabul Central“-Supermarkts in Hanau stutzt, ist kein Zufall — es ist der Moment, in dem zwei Welten sichtbar kollidieren.
Deutschland steht dabei vor einer besonderen Herausforderung: Ein Großteil der Menschen, die diese kulturellen Verschiebungen mittragen, ist legal eingereist. Viele wurden in den 1960er Jahren als Gastarbeiter angeworben, andere kamen im Zuge des Syrienkriegs. Einige sind längst deutsche Staatsbürger. Doch ein Pass ist keine kulturelle Transformation, und Integration ist nicht identisch mit Identitätswechsel. Das wird an Jeffreys zweitem Beispiel besonders deutlich: Worms, eine der ältesten Städte Nordeuropas und Schauplatz des Wormser Edikts von 1521. Dort sucht Jeffrey nach einer traditionellen Kneipe — einem Ort, der einmal als Herz deutscher Alltagskultur galt. Was er findet, sind Shisha-Bars, Wettlokale, türkische Barbiere. Erst in Bahnhofsnähe entdeckt er eine letzte Kneipe; sie führt kein Bier vom Fass mehr, und der einzige Flaschenbierhersteller steht, wie man ihm sagt, kurz vor der Insolvenz. Das Straßenbild hat sich nicht graduell verändert, sondern vollständig. Nicht modernisiert — ersetzt.
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