Die Deutschen sind bekannt für ihre Tanzwut. Wo immer sie sich zusammenfinden, hat jemand eine Ziehharmonika dabei, und schon beginnt ein spontaner Schuhplattler mit anschließendem Reigentanz.
Das jedenfalls sollte man annehmen, denn die Diskussion um das karfreitägliche Tanzverbot wird alle Jahre wieder mit derselben Leidenschaft geführt.
Menschen, die an 364 Tagen im Jahr nichts mehr lieben, als Anordnungen der Obrigkeit Folge zu leisten, werden mit landestypischer Präzision genau einmal im Jahr überaus aufmüpfig und beklagen die mangelnde Trennung von Staat und Kirche.
Ein stiller Tag, allen aufgezwungen, egal, ob sie an Jesus Christus oder das fliegende Spaghettimonster glauben – ein Affront, und ein nicht hinnehmbares Überbleibsel des finsteren Mittelalters.
Doch im Grunde handelt es sich hier um den Ausdruck einer kollektiven kulturellen Amnesie. Denn die vielbeschworene weltanschauliche Neutralität des Staates ist ohnehin eine Illusion.
„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“, sagte einst der Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde.
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