Erika ist ein „kleines Blümelein“, das auf der Heide blüht, aber zugleich ein Mägdelein, das „in der Heimat“ geblieben ist. Aber auch das Herz der Erika-Heidepflanze soll „voller Süßigkeit“ sein und steht offenbar nur für das Mädchen. Das Marschlied von 1938 erregt neuerdings wieder Aufsehen, weil Schüler es teilen. Lehrer wollen es gerne verbieten, obwohl es nicht illegal ist. Die Pädagogen wittern eine rechte Verschwörung hinter dem Social-Media-Trend. Aber die neueste Wendung haben wohl die wenigsten von ihnen vorhergesehen.
Denn das Erika-Lied ist auch in einen Fall letztlich wohl rassistischen oder nationalistischen Mobbings verquickt. Doch in dem Fall heißen die Täter „Zayn“ und „Emir“, sind 13 und 14 Jahre alt, und wie die geänderten Namen sagen, stammen die beiden aus Syrien und Afghanistan. Sie und weitere Schüler mobbten ein ukrainisches Mädchen an einem Gymnasium in Berlin-Reinickendorf. Und es macht irgendwie den Eindruck, dass die überwältigende Mehrheit der Klasse neben der Ukrainerin Milana (Name geändert) ebenfalls Migrationsgeschichte haben, aber eine andere. Das trennt.
Aber es ist nicht nur das historische Liedgut, das für Stirnrunzeln sorgt. Milana wurde vermutlich wirklich gemobbt. Von Zayn oder „in dessen Auftrag“ wurde sie als „du Fotze“ beleidigt. Dafür gab es einen Euro, erklärt Milana das delegierte Beleidigungsverfahren. Ein Junge habe zum anderen gesagt: „Wenn du sie Fotze nennst, dann bekommst du von mir einen Euro.“ Ein Gymnasium, man erinnert sich, war früher ein Ort der Bildung.
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