Südtirol – Das Land der außergewöhnlichen Winzergenossenschaften

vor 10 Monaten

Südtirol – Das Land der außergewöhnlichen Winzergenossenschaften
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Zeiten, als eine dünne, hellrote Plörre namens St. Magdalener vom Kalterersee ganze Busladungen von Touristen auf „Törggelen-Tour“ in Ekstase versetzte, sind längst vorbei. Heute dominieren internationale Rebsorten wie Pinot Noir, Merlot, Cabernet Sauvignon, Pinot Blanc, Sauvignon Blanc, Sylvaner, Gewürztraminer und autochthone Rebsorten wie der würzige, leicht bittere (rote) Lagrein die Angebotslisten der Weingüter. Und selbst der St. Magdalener, andernorts bekannt als Vernatsch oder Trollinger, ist mittlerweile dank rigoroser Ertragsbeschränkungen und moderner Ausbaumethoden alles andere als ein billiger Touristenwein.

Schrittmacher dieser Entwicklung, die in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf breiter Front einsetzte, waren private Weingüter wie Alois Lageder bei Bozen, Ignaz Niedrist in Eppan sowie die Schlosskellerei Turmhof (Tiefenbrunner) am südlichen Ende der Südtiroler Weinstraße in Entiklar. Tiefenbrunner vinifiziert bis heute einen Müller-Thurgau namens „Feldmarschall von Fenner“, der zeigt, dass selbst diese Massenertragssorte bei entsprechender Behandlung zu ungeahnten Höhen aufsteigen und auch Kenner überzeugen kann.

Noch wichtiger für den Aufstieg Südtirols in Sachen Qualitätswein waren die Winzergenossenschaften, die wohl nirgends sonst einen so guten Ruf genießen. Grund dafür war die Tatsache, dass die Genossenschaften nie als „Resterampen“ für minderwertiges Traubenmaterial aus B- und C-Lagen fungierten. Das war wiederum der Tatsache zu verdanken, dass in Südtirol die Zahl der Privatgüter, die ihre Trauben selbst weiterverarbeiteten, kleiner war als andernorts und die Genossenschaften mithin auch über Lesegut aus Premiumlagen verfügen konnten. Als dann junge, ehrgeizige Kellermeister in den Genossenschaften das Ruder in die Hand nahmen, war der Weg frei für eine Qualitätsoffensive ohnegleichen.

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