Das größte Desaster der deutschen Ingenieurskunst: Wie Stuttgart 21 zum Symbol für das Scheitern deutscher Großprojekte wurde

vor etwa 1 Monat

Das größte Desaster der deutschen Ingenieurskunst: Wie Stuttgart 21 zum Symbol für das Scheitern deutscher Großprojekte wurde
Bildquelle: NiUS

Stuttgart 21, wie der Neubau des Stuttgarter Bahnhofs heißt, ist Deutschlands größte Baustelle. Und die teuerste und die mit Abstand langwierigste mit dazu. Wurde 2010 bei Baubeginn eine Eröffnung im Jahr 2019 versprochen, wird das Monsterprojekt nach acht Verschiebungen aus heutiger Sicht erst im Jahr 2031 fertiggestellt – 21 Jahre nach seinem Baubeginn. Hätte der Bau von Stuttgart 21 1995 erst 2,5 Milliarden Euro und 2009 laut Finanzierungsvertrag dann 4,5 Milliarden Euro kosten sollen, wird die ganze Chose am Schluss nach aktueller Schätzung 14,5 Milliarden Euro kosten – und das ist noch lange nicht das Ende.

Versprochen wurde den Stuttgartern der modernste Bahnhof Europas, durch den im 30-Minuten-Takt ICEs aus der ganzen Bundesrepublik rauschen sollten, eine superschnelle Anbindung an den Flughafen und 30 Minuten Fahrzeit nach Ulm. Geliefert wurde eine Monsterbaustelle, die im Südwesten flächendeckend für unzählige Verspätungen, Zugausfälle und endlose Fußwege rund um den alten Kopfbahnhof sorgt.

Monsterbaustelle mit Lichtaugen im Jahr 2026

Stuttgart 21 hätte ein Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst, die glanzvolle Verbindung neuester Architektur mit moderner Stadtplanung und ein Showcase für digitale Zugtechnik sein sollen, die Züge nicht mehr mit analogen Licht-, sondern digitalen Funksignalen steuert. Entstanden ist stattdessen ein Debakel, das nicht enden will, weil das ganze Projekt auf architektonischem Größenwahn und einem elektronischen Zugsteuerungssystem basiert, das nicht funktioniert, was den Stuttgartern ein Dauerchaos in ihrer Stadt eingebrockt und Züge und S-Bahnen beschert hat, die womöglich nie mehr pünktlich fahren.

Stuttgart 21 ist das, was der Untergang der Titanic für das britische Empire war: eine Weltklasse-Blamage, ein Symbol für den technischen Niedergang Deutschlands, ein Monument des Scheiterns, welches beweist, dass vom Ruf Deutschlands als Land der Ingenieure, Erfinder und Tüftler kaum noch was übrig ist. Stuttgart 21 ist eine Allegorie für die typisch deutsche Verbindung aus rot-grüner Technikfeindlichkeit, bräsiger Selbstüberschätzung und politischer Verantwortungslosigkeit.

Aber Stuttgart 21 ist noch mehr: Dieser moderne Turm von Babel ist die Schrift an der Wand für ein ganzes Land, das Menetekel, das den Untergang ankündigt. Dieses Projekt zeigt wie nichts sonst, dass dieses Land seine Krisen nicht mehr lösen und seine Probleme nicht mehr in den Griff bekommen kann.

Begonnen hat die Katastrophe vor vierzig Jahren, als ein gewisser Gerhard Heimerl, seinerzeit Professor für Eisenbahnwesen an der Universität Stuttgart, Träger vieler kostbarer Medaillen und Ehrenauszeichnungen, 1988 auf die interessante Idee kam, man könne den Stuttgarter Kopfbahnhof ja durch einen Tiefbahnhof unter der Erde ersetzen, wodurch die Stadt jede Menge freier Flächen gewänne, auf die man dann ein neues Stadtviertel bauen könnte.

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