Der Druck auf den vermutlich nächsten britischen Premierminister Andy Burnham wächst. Viele im Land fordern sofortige Neuwahlen, um der Regierung ein eigenes demokratisches Mandat zu verschaffen. Auch einige Altvorderen der Labour-Partei versuchen, das Debatten-Steuer zu übernehmen und ihre Partei zurück zu einem etwas bürgernäheren Kurs zu drängen.
Zu den Kritikern gehört auch Alan Johnson, ehemaliger Innenminister unter Gordon Brown. Sofortige Neuwahlen seien nötig, um „das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen“, meint Johnson. Wenn Burnham sich nicht an die Bürger wende, dann müsse er „sich an das Wahlprogramm von Keir Starmer halten“, das er aber selbst zu großen Teilen kritisiert hat. Das ist das einfachste, logische Argument für Neuwahlen: Man bewirbt sich um ein eigenes Mandat oder man ist dazu verdammt, die Agenda des Vorgängers zu vollenden. Und was sollte das überhaupt sein, in Keir Starmers Fall?
Starmers erste Tat im Amt war die öffentliche Aussage, dass er ab Freitagmittag und für das gesamte Wochenende nicht als Premierminister zur Verfügung stünde. Denn Starmer hat Kinder und wollte sich seine Work-Life-Balance nicht durch seine unglückselige Wahl zum Premierminister versauen lassen. Das Land war folglich zwei Tage in der Woche führungslos.
Starmer bestätigte sodann die Berufung eines gewissen Peter Mandelson, mit dem ihn wohl mehr verbindet, als er öffentlich zugeben will, zum britischen Botschafter in Washington. Mandelson musste später wegen allzu enger Beziehungen zu jenem Mantra der Mächtigen, Jeffrey Epstein, zurücktreten. Starmer entging einem Rücktritt aufgrund seiner anhaltenden Blässe und scheinbaren Naivität, galt aber spätestens von da an als angeknackst.
Doch eine Rückblende in den Hochsommer 2024 ist nötig: Als damals in Southport an der Irischen See ein Britisch-Ruander der zweiten Generation dank einer ISIS-Anleitung auf eine Gruppe von Schulmädchen losging, die zu Liedern von Taylor Swift tanzten, und drei von ihnen tötete, schrieb Starmer dem „barbarischen Mord“ unbeschreibliche „Brutalität und Schrecken“ zu. Wobei: Das sagte Starmer erst ein Jahr später aus Anlass der öffentlichen Untersuchung. Im Sommer 2024 schwieg der Premier ausdauernd zu dem Geschehen. Auch die Behörden verschwiegen die Ethnizität und den Namen des Täters wie ein schmutziges Geheimnis. Das führte zu einer explosiven Stimmung mit vielen Gerüchten.
In der Folge der Southport-Unruhen ließ Starmer, der Ex-Generalstaatsanwalt, unzählige Online-Posts von der Polizei verfolgen. Eine neue Polizeieinheit gegen gewalttätige Unruhen wurde gegründet. Daneben mehrten sich die Hausbesuche, bei denen die Polizei sinnloserweise gegen „non-crimes“ aus dem Bereich „Hass und Hetze“ ermittelte. „Two-tier Keir“ wurde zu Starmers Spitzname: Er war der Jurist und Premier geworden, der für die Zweiklassenpolizei und -justiz stand. Und nun betrieb er als Premier eine Zwei-Klassen-Politik, bei der sich politische Entscheidungen nach den Bedürfnissen und Forderungen ethnischer Gruppen richten, die in vielen Landesteilen nicht mehr die Minderheit sind.
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