SPIEGEL korrigiert Bericht über angebliche TU-„Studie“ zu antifeministischen Netzwerken

vor 4 Monaten

SPIEGEL korrigiert Bericht über angebliche TU-„Studie“ zu antifeministischen Netzwerken
Bildquelle: Tichys Einblick

Zum Skandal: Am 6. März 2026 um 8.24 Uhr rettete der SPIEGEL mit einem Artikel die rotgrüne Welt innerhalb planetarischer Grenzen vor der Großen Antifeministischen Verschwörung unter der Überschrift: „Berlin offenbar Knotenpunkt antifeministischer Netzwerke“. Der aufregende Befund: „Durch Nachwuchsarbeit und Kooperationen mit rechten Medien wie ‚Achse des Guten‘, ‚TichysEinblick‘ und später ‚NIUS‘ lässt sich ein eng vernetztes Medienumfeld erkennen, in dem antifeministische, anti-queere und autoritäre Narrative wiederholt verbreitet werden.“ Im schrillen Ton des rotgrünen Alarmismus wurde als Beweisstück die Kandidatur der seltsamen Juristin Frauke Brosius-Gersdorf herangezogen.

Die Spiegel-Autorinnen Juliane Löffler und Ann-Katrin Müller machten dazu eine dubiose „Expertise“ öffentlich, um die Einführung neuer Zensurregeln und die Kriminalisierung politisch Andersdenkender und -schreibender durch einen Antrag der Berliner Grünen im Abgeordnetenhaus, die die „Expertise“ bestellt hatten, zu promoten. Um der „Studie“, die dem SPIEGEL „exklusiv“ vorlag, eine Art von Wissenschaftlichkeit zu verleihen, schrieben die Autorinnen: „Berlin ist einer neuen wissenschaftlichen ‚Studie‘ zufolge ein zentraler Knotenpunkt antifeministischer Netzwerke. Von hier aus verbreiteten sich deren Ideologien besonders stark in Politik und Gesellschaft, auch über die AfD, heißt es in der Untersuchung der Technischen Universität Berlin. Sie wurde im Auftrag der Grünen erstellt und liegt dem SPIEGEL exklusiv vor.“

Höchst ungewöhnlich ist, dass in dem Text nicht einmal der korrekte Name der „Untersuchung der Technischen Universität Berlin“ genannt wird. Der Artikel suggeriert, dass „Studien“-Autor Andreas Kemper an der TU tätig ist. Beim SPIEGEL tritt Kemper als Autor der „Untersuchung der Technischen Universität Berlin“ hervor. Doch auf der Homepage der TU Berlin findet man keinen Andreas Kemper, auch keinen Dr. Andreas Kemper, und schon gar keinen Prof. Dr. Kemper als Mitglied der Technischen Universität Berlin. Wo wirkt der geheimnisvolle Wissenschaftler mit seinen exklusiven Erkenntnissen?

Da der SPIEGEL-Artikel bezugnehmend auf die „Untersuchung der Technischen Universität Berlin“ umfangreiche Zensur-, Repressions-, und Zwangsindoktrinationsmaßnahmen fordert, bittet man die Technische Universität Berlin noch am 6. März an um ein Exemplar der SPIEGEL-Enthüllung. Außerdem wolle man gern überprüfen, wie der Autor oder die Autoren der „Studie“ begründen, dass Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht aufgrund einer Kampagne „antifeministischer Netzwerke“ zurückziehen musste und wer und was diese geheimnisumwitterten „antifeministischen Netzwerke“ eigentlich sind. Auch interessant, ob zu den antifeministischen Netzwerken diejenigen gehören, die am 8. März die Bühne des Schauspielhauses Hamburg stürmten, um die Lesung der Feministin Alice Schwarzer zu verhindern. Schließlich warfen auch laut SPIEGEL vom 9. März „die Protestierenden … Schwarzer transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden ‚Radikalfeminismus‘ vor“. Einer Feministin Feminismus vorzuwerfen, dürfte nach den Gesetzen der Logik Antifeminismus sein. Doch der einzige Bezug zur Logik in Kempers Expertise ist der Zirkelschluss.

Befragt wird auch der Auftraggeber der „Studie“, die Grünen, und zwar der Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Werner Graf, der sich im SPIEGEL-Artikel vom 6. März als Vorkämpfer der Transparenz gefällt: „Wurde die Studie von der Bundespartei, der Landespartei oder der Faktion der Grünen im Abgeordnetenhaus beauftragt? Wie lautete der Auftrag konkret an Herrn Kemper? Was kostete die Studie?“

Zudem bittet man um ein Exemplar der „Studie“, die dem SPIEGEL „exklusiv“ vorliegt. Schade: Auch auf wiederholte Nachfrage äußert sich der Vorkämpfer der Transparenz nicht, obwohl er doch im SPIEGEL-Artikel fordert, dass „politische Einflussnahme endlich transparent und nachvollziehbar wird“. Transparenz endet offensichtlich dort, wo die Lobby- und NGO-Arbeit der Grünen beginnt, denn auch die angefragten Pressestellen von Fraktion und Landesverband waren um eine Antwort höchst verlegen. Nur die Technische Universität, weil doch laut SPIEGEL die „Studie“ eine „Untersuchung der Technischen Universität Berlin“ ist, antwortet überraschend wie folgt:

„Es handelt sich nicht um eine Studie der TU Berlin – das ist ein Fehler in der Berichterstattung. Bitte wenden Sie sich für weitere Auskünfte an die Fraktion Bü90/GRÜNE im Berliner Abgeordnetenhaus.“

Nur ein Fehler in der Berichterstattung? Dabei heißt es doch deutlich auf dem Deckblatt der „Untersuchung“ der TU Berlin, die dem SPIEGEL „exklusiv“ vorliegt:

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