Stratford-upon-Avon ist ein selbst für britische Verhältnisse exzentrischer Name. Das Örtchen liegt im Herzen Englands und hat weniger als 25.000 Einwohner. Niemand würde es kennen – wäre es nicht die Geburtsstadt von William Shakespeare.
Wer Stratford-upon-Avon einmal versehentlich besucht, fühlt sich sofort an Salzburg erinnert. Denn so, wie die österreichische Musikstadt ihren größten Sohn – Mozart – zum absoluten Zentrum der Selbstdarstellung macht, so tut das auch der kleine Flecken Erde in England.
Stratford-upon-Avon lebt vom Shakespeare-Tourismus. Selbst Parkbänke, auf denen der Nationaldichter bei irgendeinem Spaziergang irgendwann einmal kurz gesessen haben soll, tragen ein glitzerndes Messingschild, das dieses historische Ereignis für alle Ewigkeit festhält. (Ob der Mann die Sitzgelegenheit oder auch nur den Park drumherum jemals wirklich auch nur von Ferne gesehen hat, weiß natürlich sowieso niemand.)
Zweieinhalb Millionen Touristen zieht der Shakespeare-Kult jedes Jahr an. Wir rechnen kurz nach: Das sind also hundertmal mehr, als das Städtchen Einwohner hat. Auf jeden Bürger, vom Säugling bis zum Greis, kommen demnach jedes Jahr 100 Besucher. Davon lebt der Ort, und von nichts anderem.
Stratford-upon-Avon ist Shakespeare.
Solche schnöden wirtschaftlichen (und also existenziellen) Zusammenhänge im Leben einfacher Bürger sind der zeitgenössischen woken Internationale allerdings bekanntermaßen schnuppe. Selbst Shakespeare im beschaulichen Stratford-upon-Avon ist vor dem Gesinnungsfuror der linken Geschichtsrevisionisten nicht sicher.
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