Roms riesige Expansion durch Urwälder und über Berge, Meere und Kontinente hinweg – mit den damaligen Mitteln und in relativ kurzer Zeit – gehört zu den Großphänomenen der Weltgeschichte. Möglich war sie nur durch das Römische Klimaoptimum. Die tedils noch höheren Temperaturen als heute ermöglichten das ganzjährige Passieren der Alpenpässe. Der Hochalpenbergbau, etwa in den Hohen Tauern, lieferte Eisen und Gold für Aufrüstung und Finanzierung. Moderate Niederschläge ließen frühere Sumpfgebiete trocknen und erlaubten den Bau strategischer Fernstraßennetze. Beispielhaft die Via Appia: Vom Herzen Roms führte sie hinunter in den Süden nach Brindisi, wo dann Truppen und Nachschub für die östlichen Mittelmeerregionen eingeschifft wurden. Dank Gunstklima war Roms Mare nostrum bis auf wenige Wintermonate weitgehend sturmfrei und gefahrlos befahrbar.
Nur deshalb gelang es auch, die schon zur Augustus-Zeit auf eine Million angewachsene Bevölkerung Roms zu ernähren. Tag für Tag verschlang die Kapitale tausend Tonnen Getreide, flossen 430 Hektoliter Öl in die Küchen – und Schönheitssalons –, sowie 500 000 Liter Wein in die Kehlen. Dass Korn und Öl an die Plebs kostenlos verteilt wurde, war sicher kein Anreiz zum Einhalten. Sehr viel kam übers Meer. Im globalisierten Wettbewerb konkurrierten die Kornkammern Siziliens, Nordafrikas und der kaiserlichen Ländereien Ägyptens. Beim Olivenöl war mal Andalusien angesagt, mal Nordafrika. Griechische Inseln wechselten sich beim Wein ab mit Südfrankreich und Spanien. Und das hochbegehrte Garum, laut dem Chronisten Plinius eine „nach Verwesung stinkende“ Fischsoße, kam von der Atlantikküste, heute Portugal. Das meiste wurde in Roms Haupthafen Ostia angelandet, den Augustus stark ausbauen ließ mit großem Hafenbecken und zahlreichen enormen Speichern für die Amphoren – die Standardbehältnisse für Getreide bis zu Wein und Garum. Übrigens: Roms Monte Testaccio, der Scherbenberg, besteht aus nichts anderem als aus den Scherben von geschätzt 53 Millionen zerschlagener Amphoren.
Weiteres Indiz für die römische Warmzeit: Laut dem römischen Gelehrten Plinius konnten Wein und Oliven weiter nördlich in Italien angebaut werden als in früherer Zeit. Und ein kaiserliches Edikt verbot den Weinanbau nördlich der Alpen: Beleg, dass es möglich gewesen wäre. (…)
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