Jugendvertreter von Parteien sind meistens radikaler als alteingesessene Politiker. Oft relativiert sich ihr Übermut im Laufe ihrer Karrieren. Der auf dieser Erkenntnis beruhende Reflex, sich über Agitatoren wie Philipp Türmer lustig zu machen, anstatt sie ernst zu nehmen, ist jedoch die falsche Herangehensweise. Denn Türmer repräsentiert keine Außenseiter-Sozialdemokratie, sondern die Seele der Partei.
Markus Lanz, Johannes Volkmann und Frederik Pleitgen warfen sich mehrmals schmunzelnde Blicke zu. Sichtlich bemüht waren sie, sich ein Lachen zu verkneifen, als ein zappelnder Philipp Türmer in der Talkshow seine sozialistische Rhetorik zum Besten gab. Er wolle sich mit der „neuen Adelskaste“ anlegen, mit „Superreichen, die völlig abgelöst sind von der Realität“, deren „Geschäftsmodell“ darauf beruhe, die „breite Mehrheit auszubeuten“.
Sein Ziel: Die Reichsten zu besteuern, den Rest zu entlasten. Offenbar wurde, dass er die Zahlen nicht im Griff hat. Den relativen Kleckerbetrag von 30 bis 40 Milliarden Euro an Mehreinnahmen durch höhere Steuern hielt er für eines der größten „Gerechtigkeitsprogramme“ der letzten Jahrzehnte. Wie er damit den von ihm ebenfalls gewollten Wegfall des Ehegattensplittings oder das sechs Prozentpunkte höhere Rentenniveau oder gar eine echte Steuersenkung für die vielzitierte Mitte finanzieren will, blieb sein Geheimnis.
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