§ 188: When the shit hits the fan

vor etwa 2 Monaten

§ 188: When the shit hits the fan
Bildquelle: Tichys Einblick

Der jüngste Fall „Lügenfritz“ hat Friedrich Merz härter auf die Bretter geschickt als der ursprüngliche Facebook-Kommentar selbst. Ein Bürger schrieb den Spottnamen unter einen Polizeibeitrag zum Kanzlerbesuch in Heilbronn. Daraus wurde ein Strafverfahren, dann ein Strafbefehl über 30 Tagessätze, also ein Monatsgehalt, netto. Ein harmloser Kommentar bekam damit das volle staatliche Gewicht. Aber nicht der Verfasser des Wortes steht im Mittelpunkt, sondern der wortbrüchige dünnhäutige Kanzler, dessen Amtsapparat Bürgern auf den Hals gehetzt wird. Dabei ist „Lügenfritz“ weder besonders derb, noch ist er eine unwahre Tatsachenbehauptung. Wohl kein Kanzler vor ihm hat in kürzester Zeit sämtliche Wahlversprechen und Aussagen nach der Wahl abgeräumt oder in ihr absolutes Gegenteil verkehrt. Da darf der getäuschte Wähler nicht von Lügen sprechen? Na da schau an.

Nicht jeder Fall endete mit Strafe, einige wurden eingestellt, einige führten zu Strafbefehlen, andere zu Hausdurchsuchungen, von denen Gerichte später mindestens einzelne als rechtswidrig einstuften. Bei Söder stehen vor allem die Aschermittwoch-Fälle um „Södolf“, „Corona-Autokrat“ und „Landesverräter“ im Raum, bei denen er gegen Gerald Grosz und Stephan Protschka vorgehen ließ. Ein Rentner soll Söder als „Menschenschinder“ geziehen haben. Er bestritt die Urheberschaft, das Amtsgericht verurteilte ihn dennoch zu 4.000 Euro Geldstrafe. Jette Nietzard, damals Chefin der Grünen Jugend, nannte Markus Söder in einem TikTok-Video „Hundesohn“. Luis Bobga, Vorsitzender der Grünen Jugend, geriet später wegen eines Rap-Videos in die Kritik, in dem Söder im eingeblendeten Bild als „Hurensohn“ beschimpft wurde. Gegen Bobga wurde nach einer Anzeige einer unbeteiligten Person ermittelt; bei Nietzard ist nach öffentlich zugänglicher Quellenlage kein Vorgehen Söders belegt. Schon komisch, oder?

Die massive Bugwelle, die Glaskinn-Fritz (catch me if you can) kilometerhoch vor sich aufgetürmt hat, bricht sich nun am Fall „Lügenfritz“. Auch international löste das Vorgehen gegen ein harmloses Spottwort breite Kritik aus. Juristen, Journalisten, Politiker und Bürger aus verschiedenen Lagern sehen darin ein Maß an staatlicher Empfindlichkeit, das jeder Beschreibung spottet und autokratischen Systemen gut zu Gesicht steht. Für Umfragen-im-Keller-Merz nebst angeschlagenem Söder ihre Union ist all das verheerend.

Hier nun kommt die englische Redewendung „When the shit hits the fan“ zum Tragen, die exakt den Moment beschreibt, in dem eine lange verdrängte, schöngeredete oder verdeckte Sache plötzlich mit voller Wucht ins Gesicht explodiert. Dann lassen sich Folgen nicht mehr verstecken, Zuständigkeiten nicht mehr verschieben, Ausreden nicht mehr sortieren. Auf Deutsch gesagt: Dann fliegt einem der ganze Mist in kleinen und großen Klumpen um die Ohren. Genau dort steht die Union jetzt.

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