„Palästina 36“ lässt die Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts mit dem großen Aufstand 1936–1939 beginnen. Doch Übertreibungen, Halbwahrheiten und vor allem Auslassungen machen den Film zu einem Ärgernis. Die Vergangenheit wird zum Wohle einer zeitgenössischen politischen Agenda umgeschrieben.
Der Terror vom 7. Oktober hat eine Vorgeschichte, sagen jene, die den Überfall der Islamisten auf Israel im Jahr 2023 „erklären“, eher rechtfertigen wollen. Das ist nicht ganz falsch, denn der Nahostkonflikt dreht sich seit hundert Jahren darum, dass die Araber keinen jüdischen Staat in ihrer Region dulden wollen.
Man kann darüber streiten, wo genau man den Beginn ansetzen sollte. Regisseurin Annemarie Jacir hat sich dafür entschieden, den arabischen Aufstand von 1936 bis 1939 als entscheidendes Ereignis darzustellen. Das ist mindestens fragwürdig, denn schon zuvor wurden hunderte Juden im damals britischen Mandatsgebiet Palästina ermordet, vor allem 1929 in Hebron. In Jacirs Historiendrama kommen sie allerdings in den ganzen zwei Stunden, die „Palästina 1936“ dauert, nicht vor.
Dort erscheinen sie als bestenfalls schemenhaft im Hintergrund sichtbare Nebendarsteller ohne Sprechrolle. Dabei gab es damals 400.000 Juden im Land, solche, die seit vielen Generationen dort lebten, und Einwanderer, die vor den Pogromen im zaristischen Russland und dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen waren. Natürlich sind sie es, die „den Palästinensern“ ihr „Land nehmen“, aber auch die Thematik des Landverkaufs (arabische Großgrundbesitzer verkauften jüdischen Siedlern Land für viel Geld) wird nicht korrekt dargestellt.
Es sind die Briten, die in „Palästina 36“ den Juden das Land übergeben und für sie die Schurkenrolle ausüben – vor allem in Gestalt des britischen Hochkommissars für das Mandatsgebiet Palästina, Arthur Wauchope (gespielt von Oscar- und Golden-Globe-Preisträger Jeremy Irons), und Orde Wingate, eines spleenigen christlichen Zionisten, der den Juden im Land half, die Selbstverteidigung gegen arabische Freischärler zu organisieren.
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