Aus Sicht der Krisenkommunikation ist das NOZ-Interview fast ein Musterfall. Nur eben nicht im Sinne politischer Hygiene, sondern im Sinne politischer Nebelkerzen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärt dort, er habe als Staatsminister „noch viel vor“ und sieht „keinen Anlass“, weitere Konsequenzen aus der Affäre um Urheberrechtsskandale, Bilanztricks und den Ludwig-Erhard-Gipfel zu ziehen. Die NOZ-Journalisten stellen artig ein paar Stichpunktfragen, die Weimer choreographiert abreiten darf.
Auf die Rücktrittsfrage angesprochen, antwortet er: Er werde sich „den rechten Trollen nicht beugen“, wenn diese „Kampagnen machen gegen einen bürgerlichen Kulturpolitiker, der sie inhaltlich angreift“; die AfD rege sich „immer wahnsinnig auf beim Thema Kulturpolitik“. Und: „Ich werde keinen Zentimeter nachgeben, wenn es um unsere kulturelle Vielfalt in Theatern, Museen oder Gedenkstätten geht.“ Die NOZ hält ihm dafür den Mantel. Was fehlt, ist das, was Journalismus leisten müsste: der Abgleich mit der Realität der letzten Wochen.
Offenbar haben er und sein Intimus Merz sich auch hier abgesprochen: seitdem Wolfram Weimer im medialen und politischen Kreuzfeuer steht, Woche um Woche, aufgedeckter Skandal um Skandal, winden Merz und er sich in dem argumentativen Muster „ganz links und ganz rechts“. Wäre das nicht so unfassbar dreist, wie beide damit ihre Halbseidigkeit damit zu übertünchen suchen, wäre es fast lustig. Merz und Weimer, zum Ende auch im gleichen hilflosen Wording vereint.
Denn die Affäre Weimer ist längst ein Bündel konkreter Vorgänge und nicht bloß eine „Kampagne“ missliebiger Medien oder politischer „Ränder“.
Von all dem liest man im NOZ-Interview praktisch nichts. Stattdessen darf Weimer den Eindruck erwecken, er habe „alles erfüllt“, was das Bundesministergesetz verlange, und es handele sich vor allem um eine Frage der Wahrnehmung gegenüber „Quereinsteigern aus der Wirtschaft“. Damit verschiebt er die Debatte vom Inhalt auf die Form und die NOZ lässt ihn ziehen.
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