Neujahrstatort Dresden mit der Frage der Fragen: Sin mir nisch alle a bissi Fritzl?

vor 7 Monaten

Neujahrstatort Dresden mit der Frage der Fragen: Sin mir nisch alle a bissi Fritzl?
Bildquelle: Tichys Einblick

Unter Aufbietung aller Requisiten aus der ARD-Mottenkiste kleckselt der Sonntagskrimi ein Sittenbild aus der Dresdner Vorstadt zusammen. Ein sichtlich verstörtes Mädchen (Amanda, gespielt von Emilie Neumeister) stapft durch ein geschäftiges nächtliches Dresden-Neustadt, blutverschmiert und mit einem Skalpell in der Hand, scheinbar komplett unsichtbar für ihre Mitmenschen. Autoverkehr gibt es zum Glück dort nicht, einsam liegen die Straßen, und nur ein verirrter Fahrradfahrer und die Tram trödeln dahin. Amanda kann mit ihrer Stichwaffe Bedenkenlos in den Bahnhof, denn am Eingang sind nur die Warnschilder „Videoüberwacht“ und „Rauchverbot“ sichtbar. Zum Glück greifen am Bahnsteig endlich ein paar junge Männer (!) ein und entwaffnen die Frau.

Was folgt ist eine anderthalbstündige, konstruierte Illusion (Drehbuch Viola Schmidt, Regie Saralisa Volm) für den Zuschauer, der sich entscheiden muss, ob er nun doppelt sieht (Amanda fantasiert von einer Schwester Jana und der Film löst dies nicht auf) oder ob hier tatsächlich eine lebensgefährliche Kindesentführung an unbekanntem Ort im Gange ist, die die Dresdner Kommissare (Leonie Winkler, gespielt von Cornelia Gröschel, Peter Michael Schnabel, gespielt von Martin Brambach) in einem Wettlauf mit der Zeit lösen müssen.

Erstmal muss dieses seltsame Kind, unterernährt und für seine 16 Jahre „unterentwickelt“ (schreckliches Wort) ausgefragt und untersucht werden. Nicht unproblematisch bei einer Minderjährigen ohne greifbare Erziehungsberechtigte, die ausserdem standhaft behauptet, unbedingt ihrer Schwester Jana Hilfe bringen zu müssen, die von ihrem Vater zur Strafe für die eigene Flucht aus einem Kellergefängnis ausgehungert würde. Nachdem Amanda die Polizistin Winkler mit einer Sprudelflasche niederschlagen hat und auf das Dach des Kommissariats entkommen kann, wird sie in die geschlossene Jugendpsychiatrie und die Obhut von Frau Dr. Gülsüm Diallo (Abak Safaei-Rad) übergeben. Amanda ist erstaunt, wie viele Mitarbeiter es dort gibt, die „alle sehen wollen, wie es ihr gehe“ (Winkler erklärt die Menge an Personal).

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