Nachruf auf Peter Schneider

vor 5 Monaten

Nachruf auf Peter Schneider
Bildquelle: Tichys Einblick

Sein Haus in Latium steht auf einem Hügel zwischen Neapel und Rom. Im Garten römisches und mittelalterliches Mauerwerk. Im nahen Itri, einem berüchtigten Brigantennest, schlotterte Goethe um sein Leben, im nahen Formia wurde Cicero ermordet. Genau hier fühlte Peter Schneider sich mindestens so zuhause wie in Berlin. Über den Bau seines Ferienhauses schrieb er einen herrlich komischen Roman („Skylla“, 2005), in dem der Bauherr in die Mühlen zwischen Korruption und Archäologie gerät.

Der deutsche Autor zählte dort unten zur Prominenz. Im September war er zum letzten Mal dort. Schon gezeichnet vom Krebs, hatte er mich gebeten, ihn zu begleiten, allein wäre es ihm wohl nicht mehr ganz geheuer gewesen. Jeden Tag aber schwamm er im nahen Meer wie befreit weit hinaus – viel weiter als ich ihm folgen konnte und wollte. Noch immer ein kräftiger Mann voller Energie. Wir kochten, tranken, debattierten und schrieben. Stille Tage, die Wehmut und Dankbarkeit hinterlassen.

Auch seine erfolgreichste Romanfigur ist mit Italien verbunden. Fünf Jahre nach Ausbruch der Studentenrevolte macht ein schmaler Band literarisch Furore: Die Novelle „Lenz“ ist Anfang 1973 Kultbuch und Schulbuchlektüre. Als moderne Nacherzählung des gleichnamigen Buchs von Georg Büchner, der sich wiederum auf den rebellischen Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz bezog, folgt Schneider dem Studenten Lenz nach Italien, das für ihn zur Befreiung wird. Es ist, wenn auch damals noch aus „linker“ Perspektive, die Geschichte über den Mut zur Veränderung, über die Kraft des eigenen, unabhängigen Denkens. Es zeichnet auch Peter Schneider aus.

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