Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist für die SPD nicht einfach schlecht gelaufen. Sie ist ein Offenbarungseid in Zahlenform. Wer mit einer einstigen Volkspartei rechnet, findet im Südwesten nur noch eine Randnotiz, die sich irgendwie gerade noch so über die Fünf-Prozent-Linie rettet und dabei so wirkt, als wisse sie selbst nicht mehr, wofür sie überhaupt noch antritt.
Der Tagesspiegel formuliert die Generalabrechnung in scharfen Tönen. Der Tenor: Diese SPD brauche niemand mehr. Nicht als Korrektiv, nicht als Gestalter, nicht einmal als Störenfried. Eine Partei, die früher die soziale Frage stellte, erscheine dort heute wie eine leere Hülle, die sich von Wahl zu Wahl durchmogelt und dabei den Eindruck hinterlässt, sie sei nur noch Tradition, aber keine politische Kraft.
Andere Beiträge schlagen in dieselbe Kerbe, wenn auch mit anderer Tonlage. Immer wieder fällt ein Wort, das für Parteien tödlich ist: Unsichtbarkeit. Der Wahlkampf sei faktisch ein Duell zwischen Grünen und CDU gewesen. Die SPD stand daneben wie ein Statist, der seine Rolle vergessen hat und deshalb auch nicht mehr vorkommt. Das ist keine Niederlage im klassischen Sinn, das ist ein Verschwinden. Dabei war SPD-„Entenpastete“-Andi Stoch gar nicht so unsichtbar – ganz im Gegenteil.
Die ZEIT stellt die Frage nach Konsequenzen und legt den Finger in die Wunde: Wenn eine Partei in einem großen Bundesland zur Kleinpartei schrumpft, reicht kein Trostpflaster, kein “wir müssen besser erklären”. Dann ist die Krise nicht kommunikativ, sondern existenziell. Im Kern steht der Eindruck, dass die SPD schon lange nicht mehr weiß, welche gesellschaftliche Gruppe sie überhaupt noch glaubwürdig vertreten will.
Die Süddeutsche Zeitung beschreibt den Wahlabend als Debakel, bei dem zeitweise sogar der Einzug in den Landtag wackelte. Allein diese Vorstellung ist für eine Partei, die Deutschland regiert und geprägt hat, ein historischer Tiefpunkt. Wer so tief fällt, kann nicht mehr so tun, als sei das nur ein besonders unglücklicher Wahlsonntag.
Bei n-tv wirkt die Diagnose nüchtern, gerade deshalb so vernichtend. Die SPD sei zwischen den großen Blöcken schlicht nicht vorgekommen. Wenn eine Partei im Wahlkampf nicht vorkommt, ist das kein PR-Problem, sondern ein Relevanzproblem. Wähler entscheiden sich nicht gegen etwas, das sie kaum wahrnehmen. Sie gehen einfach weiter.
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