Wenn es der SWR unterlassen hat, zu diesem Tatort ein Pressedossier herauszugeben, in dem sonst dessen tieferer Sinn und hehre gesellschaftliche Ziele ausgewalzt werden, dann hat das einen guten Grund. Hier verlässt die ARD zum ersten Mal die traditionelle Form des Sonntagskrimis und ersetzt ihn durch eine lustvoll gehässige Persiflage.
Gewaltfantasien, die am ehesten im Lager antibürgerlicher Umstürzler auf johlenden Beifall stoßen werden. Immerhin ist das eine politisch ehrliche Darbietung, die tiefen Einblick in die Abscheu gibt, mit der man den als behäbiges, reformunwilliges deutsches Establishment wahrgenommenen Teil der Bevölkerung betrachtet.
Annette Lober (Drehbuch) und Regisseur Didi Danquart toben in diesem Sonntagskrimi ganz offensichtlich ihren Unmut angesichts geburtenstarker Jahrgänge aus, die meinen, ihren bescheidenen Wohlstand in den Vorstädten, weit weg von einer neuen Modernität, auf ganz banale Weise genießen zu können. Auch wenn sich das unter mechanischer Zelebrierung klassischer Tischkultur und hinter verglasten Eingangstüren mit schmiedeeisernen Ranken abspielt, vor der wohl scheußlichsten 70er-Jahre Tapete, die man finden konnte (Szenenbild Irene Piel).
Um den frühpensionierten Finanzbeamten Gustav Schaub (Bruno Cathomas) vor seinem gewaltsamen Ableben nochmal in maximal altbackenem Licht darzustellen, wird er in ein paar Fischerhosen mit Knöchelhohen Socken und Sandalen gesteckt. Seine Frau Emilia „Emmi“ (Judith Hofmann) ist eleganter gekleidet, steht aber unterm Pantoffel des Patriarchen, wegen dessen Allergie sie sich das „immer schon gewünschte“ Kätzchen verkneifen musste.
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