Bei Lanz: Den jährlichen Bildungsnotstand gib uns heute

vor 9 Monaten

Bei Lanz: Den jährlichen Bildungsnotstand gib uns heute
Bildquelle: Tichys Einblick

Lernrückstände bei Erstklässlern, eskalierende Gewalt, Mobbing, Lehrkräftemangel und ein vielerorts desolater Zustand von Schulgebäuden – die Lage in Deutschlands Bildungssystem ist so angespannt wie altbekannt. Zuletzt im Dezember vergangenen Jahres hat sich Lanz dem Thema gewidmet. Jetzt ist das nächste Jahr um, und die Lage scheint höchstens schlimmer geworden zu sein. Gerade erst wieder hat die IQB-Studie 2025 massive Defizite im Schulsystem aufgezeigt.

Die Gäste bei Lanz können die Misere mit Fakten aus ihrem Arbeitsalltag unterfüttern. Bei Barbara Mächtle, Schulleiterin an der Grundschule Gräfenau in Ludwigshafen, haben 447 von 459 Kindern einen Migrationshintergrund. Normaler Unterricht ist kaum mehr möglich. Die Schüler seien „ohne Perspektive“, sagt sie, und „erfahrungsgemäß fangen die sich auch nicht mehr“. Die Zahlen seien lange bekannt, würden aber „sehr ungern veröffentlicht“. Mächtle wünscht sich mehr Förderung im frühkindlichen Bereich. „Ich habe viele Kinder, die haben zu Hause kein Buch“, erzählt sie. Bei Hausbesuchen sehe sie oft nicht mal Spielzeug oder Malzeug. „Manche Kinder fassen in der Schule zum ersten Mal einen Stift an.“ Dann die Sprachbarriere. Viele Kinder würden in Stadtvierteln aufwachsen, in denen man problemlos ohne Deutsch durchkommt. Folge für den Unterricht: „Man arbeitet mehr mit Bildern, Gesten“, so Mächtle.

Man müsse Wert darauf legen, dass Deutsch gesprochen wird, aber zugleich die Muttersprache der Kinder und ihre Diversität wertschätzen, sagt Çatik, der als Deutsch-Türke selbst einen Migrationshintergrund hat. Da sei es doch gut und hilfreich, wenn man das Kind auch mal frage: „Kannst Du mir sagen, was Banane auf Ukrainisch heißt.“ Aber ebenso klar müsse jedem Schüler sein: „Um einen Bildungsabschluss zu bekommen, muss man Deutsch sprechen.“

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