Die Koalitionsverhandlungen in der Spitzengruppe mit den Parteivorsitzenden in der sogenannten 19er-Gruppe sollten, wie gestern Mittag aus Verhandlungskreisen verlautete, am Abend beendet sein, doch dann saß man doch bis kurz vor Mitternacht zusammen und vertagte sich auf Mittwoch.
Um Deutschland, um eine Politik für die Bürger geht es den Funktionären des neuen Einheitsblocks dabei nicht, sondern um ein Ergebnis, mit dem die SPD-Führung die Mitgliederbefragung, die doch eigentlich mehr eine Befragung des verknöcherten Parteiapparats der SPD auf den verschiedenen Ebenen ist, besteht. Und um den CDU-Vorsitzenden, dessen Preis für seine Kanzlerschaft nicht zu hoch zu sein scheint, irgendetwas erzählen lassen zu können, das ohnehin niemanden mehr interessiert. Merz benötigt bitter ein paar, wenn auch folgenlose Phrasen, Halbsätze, um behaupten zu können, dass der rotgrüne Koalitionsvertrag zumindest ein paar schwarze Tupfer enthält. Aber seien wir ehrlich, ist das nicht nur pure Nostalgie, wenn man von „schwarz“ spricht? Seit Angela-Wir-schaffen-das-Merkel weiß doch niemand mehr, was das sein soll, schwarz. Rotgrün für Farbenblinde?
Glaubt man Radtke, geht in das Synonymwörterbuch der deutschen Sprache als Synonym für Verrat das Wort Realpolitik ein. Und weiter im Otto-Nuschke-Sound: „Der Kern der CDU ist die Soziale Marktwirtschaft, Westbindung, pro Europa und das christliche Menschenbild, aber doch nicht die Schuldenbremse“, wobei Radtke unter christlichem Menschenbild die einseitig grün ausgerichtete sozialistische Persönlichkeit versteht, die der liebe Herrgott nur deshalb mit zwei Händen ausgerüstet hatte, damit sie Merzens und Radtkes Gang in die babylonische Gefangenschaft von Rotrotgrün beklatschen können.
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