Das Kind als Handelsware? Tagung fordert globale Ächtung der Leihmutterschaft

vor 5 Monaten

Das Kind als Handelsware? Tagung fordert globale Ächtung der Leihmutterschaft
Bildquelle: Tichys Einblick

„Ich hatte Glück“, sagt Olivia Maurel. Die Sprecherin der Casablanca-Deklaration, die sich für die globale Ächtung von Leihmutterschaft einsetzt, ist selbst durch Leihmutterschaft entstanden. Sie klärt darüber auf, was diese Praxis für Betroffene bedeutet.

Sie sei durch „traditionelle“ Leihmutterschaft auf die Welt gekommen: Die Frau, die sie ausgetragen hat, hat auch die Eizelle zur Verfügung gestellt. Das unterscheidet Maurel von den meisten Kindern, die im Zuge von Leihmutterschaft gekauft werden.

Zumeist sind drei Frauen beteiligt: Eine steuert Eizellen bei und wird damit zur genetischen Mutter. Sie bleibt oft anonym. Eine andere bietet ihren Körper zur Austragung des Kindes an, eine dritte bezahlt für das Kind und nicht selten auch dafür, dass die Gebärerin des Kindes aus der Geburtsurkunde getilgt wird.

Eine gefälschte Identität, von Anfang an. Die Abstammung wird bewusst aufgespalten und verschleiert. Nicht zuletzt, damit das biologische und rechtliche Band zwischen Leihmutter und Kind „leichter“ zertrennt werden kann. Die emotionale Wunde bleibt – bei Mutter und Kind.

Maurels Identität ist „nur“ zwischen zwei Frauen gespalten. Sie konnte ihre genetische Mutter ausfindig machen, ebenso ihren leiblichen Bruder. Darum schätzt sie sich glücklich, trotz der Depressionen, der Suizidversuche, trotz des sie von Kindheit an belastenden Gefühls, verlassen zu sein.

Maurel kommen die Tränen, als sie von ihrer ersten Begegnung mit dem Bruder erzählt: Freude, Zugehörigkeitsgefühl und zugleich tiefe Trauer über die geraubte Verbundenheit, über all das, was sie nicht gemeinsam erleben durften. Sie sei gewollt gewesen. Aber man habe sie bestellt wie ein Objekt, wie man ein Auto bestellt.

Die Zuhörer lauschen Maurel wie gebannt und sichtlich berührt. 130 Personen sind gekommen, der Saal in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz am Spreeufer ist fast voll besetzt. Kinder und Kommerz – Das Geschäft mit Leihmutterschaft und Kinderwunsch heißt die Tagung, die Experten zum Thema Leihmutterschaft versammelt.

Veranstalter ist die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA). Die größte Lebensrechtsorganisation Deutschlands hat Ort und Zeitpunkt mit Bedacht gewählt: „Wir sind hier nicht nur im Herzen der Hauptstadt, sondern wir sind im Herzen der Öffentlichkeitsarbeit der Hauptstadt“, sagt Cornelia Kaminski, die Bundesvorsitzende der Menschenrechtsorganisation. „Mitten in der Bundespressekonferenz, wo die wichtigsten Entscheidungen für diese Republik verkündet und diskutiert werden. (…) Das Thema Leihmutterschaft darf euch Politikern, die ihr da drüben sitzt, in Laufweite, im Bundestag, im Bundeskanzleramt, nicht egal sein“.

Es ist der 6. März, zwei Tage vor dem Weltfrauentag und einen Tag, bevor in Berlin die Kinderwunschmesse Wish for a baby stattfinden wird. Auf dieser Messe wird Leihmutterschaft ungeniert beworben. Obwohl sie in Deutschland illegal ist, ebenso wie die Werbung dafür. Der richtige Zeitpunkt also, um die Ausbeutung von Frauen und Kindern ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Referenten des Kongresses sind allesamt Experten ihres Fachs: Juristen, die nationale und internationale rechtliche Implikationen erläutern, Mediziner und Psychologen, die gesundheitliche Risiken und Folgen benennen, aber auch Theologen, die ein ethisches und philosophisches Gerüst anbieten, um die Frage zu beantworten, ob der Mensch zum Objekt gemacht werden darf. Journalisten und politische Akteure ergänzen die Fachvorträge mit Einblicken in ihre Arbeit.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel