Kevin Kühnert nimmt Abschied von der Politik: Haben ihn die Niederlagen zermürbt?

vor fast 2 Jahren

Kevin Kühnert nimmt Abschied von der Politik: Haben ihn die Niederlagen zermürbt?
Bildquelle: NiUS

Am Ende blitzt noch einmal das auf, was Kevin Kühnert innerhalb weniger Jahre in die Spitze der SPD gespült hat: „Politik lebt vom Wechsel“, schreibt er in seinem Abschiedsbrief. „Das ist gut so. Eine Partei lebt von der Kraft ihrer Idee – nicht bloß davon, wer die Idee in Talkshows erklärt. Die SPD hat alle Chancen, weil sie eine zeitlos richtige Idee vertritt. Wir werden gebraucht. Nur Mut!“

Es sind Sätze wie diese, die eine Partei hören will: „Wechsel“ als Normalität – das klingt bescheiden. Da nimmt sich einer zurück und nicht so wichtig. Es klingt demokratisch und auch ein wenig überlegen, denen gegenüber, die an ihren Sesseln kleben. Und dass sie „eine zeitlos richtige Idee“ vertreten, hören die Genossen ebenfalls gern, obwohl die klügeren unter ihnen wissen, dass es keine zeitlos richtigen Ideen gibt. Die „historische Mission der Arbeiterklasse“ hieß das bei Karl Marx und machte die Genossen zum Teil einer gewissermaßen schicksalhaften Menschheitsbewegung. Und schließlich: Wer hört nicht gern, dass er gebraucht wird!

Der Wähler brauchte Kühnerts SPD in letzter Zeit immer weniger. Die jüngsten Wahlkämpfe – Europa, Sachsen, Thüringen, Brandenburg – liefen für die SPD nicht so wirklich gut. Der Sieg in Brandenburg mit aller Kraft des Spitzenkandidaten und maximaler Abgrenzung vom SPD-Kanzler und Bundes-SPD bescherte ganze 1,7 Prozentpunkte Vorsprung vor der AfD. Und dass ein „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) in acht Monaten unter der feixenden Hintergrund-Regie des Ex-SPD-Chefs Oskar Lafontaine zum Königsmacher in der politischen Arena aufsteigt, kann Kühnert auch nicht als Erfolg für sich verbuchen.

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