Hoffnung auf Verhandlungslösungen im Zollstreit

vor etwa 1 Jahr

Hoffnung auf Verhandlungslösungen im Zollstreit
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Finanzmärkte haben erreicht, was weder der EU noch China noch sonst einer Regierung bisher gelungen ist. Nachdem die Verhängung von Zöllen am sogenannten „Liberation Day“ vor knapp vier Wochen einen Absturz an den internationalen Börsen ausgelöst hatte, änderte US-Präsident Donald Trump zumindest vorerst seinen Kurs. Das neue Zollregime wurde gegenüber den meisten Ländern für 90 Tage ausgesetzt. Nachdem zahlreiche amerikanische Unternehmen baldige Störungen bei der Versorgung mit dringend benötigten Vorprodukten reklamierten, deutete Trump an, nun auch die Zölle von 145 Prozent auf chinesische Waren wohl kürzen zu wollen, wenn Peking „etwas Substanzielles“ anböte. Die Finanzmärkte reagierten darauf vorsichtig optimistisch.

Von einem Einknicken will Trump allerdings nichts wissen. Er argumentiert, dass die Zollpolitik Teil seiner Strategie sei, möglichst viele Länder dazu zu bringen, Handelsabkommen mit den USA abzuschließen. Der frühere Chefökonom der UBS und heutige Unternehmensberater Klaus Wellershoff sieht das nicht so. Er sagte der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Die Finanzmärkte haben Donald Trump diszipliniert.“ Allerdings anders als erwartet: Hätte Trump während seiner ersten Amtszeit stärker auf die Aktienmärkte geachtet, seien es diesmal die Anleihenmärkte gewesen, welche Trump zu einer Kursänderung bewogen hätten. In der Tat waren nach Inkraftsetzung der Zölle die Renditen von US-Bonds explodiert. „Trump reagiert auf Stress im Markt“, sagte Wellershoff.

Mittlerweile sind die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen von rund 4,5 Prozent wieder auf 4,2 Prozent gesunken. Ein Teil der Verkäufe sei laut Christof Schürmann, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute, auch auf Hedge-Fonds zurückzuführen. „Verkäufe am Anleihenmarkt tangieren die amerikanische Regierung viel unmittelbarer als Verwerfungen am Aktienmarkt“, betont Schürmann. Der Grund ist, dass sich die Vereinigten Staaten über Anleihen refinanzieren. Steigen die Renditen, müssen sie für ihre Schulden mehr bezahlen. Für die Regierung von Trump könnte dies ungemütlich werden, meint Schürmann.

Nach der Wahl Trumps im November hatten Investoren auf der ganzen Welt auf Deregulierung und eine insgesamt deutlich wirtschaftsfreundlichere Politik in den USA gesetzt. Das brachte riesige Geldzuflüsse an die Wall Street. Die Investoren unterschätzten offensichtlich, dass Trump tatsächlich die Politik machen würde, die er im Wahlkampf angekündigt hatte, und dass er gewillt scheint, kurzfristige wirtschaftliche Einbußen in Kauf zu nehmen.

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