Der demütige Habeck und die geschmeidige Weidel

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Der demütige Habeck und die geschmeidige Weidel
Bildquelle: Tichys Einblick

Wenn sich im TV die Politiker-Duelle und Polit-Talkformate auffällig häufen, ist das ein untrügliches Indiz für einen herannahenden Wahltermin. Vorgestern duellierten sich in der ARD mit Olaf Scholz und Friedrich Merz der Noch-Regierungschef und der designierte Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Für den Möchtegern-Kanzler Habeck war da leider kein Platz. Er sollte – so die Idee der öffentlich-Rechtlichen – hingegen einen Tag später mit Alice Weidel, der Schmuddelkandidatin der AfD vorliebnehmen. Das führte zu dem in Deutschland beinahe einmaligen Ereignis, dass die Grünen öffentlich gegen den ÖRR schossen. Angesichts dieser Ungerechtigkeit witterte man dort handfeste Manipulation und unlautere Einflussnahme auf den Wahlkampf und -ausgang. Dass der ÖRR den wohl erfolgreichsten und kompetentesten Wirtschaftsminister (Ironie off) in der bundesdeutschen Geschichte auch nur ein einziges Mal im Regen stehen lassen und in die zweite Reihe degradieren würde, sorgte im #teamhabeck für blankes Entsetzen und fassungslos-trotzige Reaktionen.

Die Aussicht, mit Alice Weidel statt mit Scholz und Merz diskutieren zu sollen, schmeckte dem sich zu Höherem berufen fühlenden Habeck überhaupt nicht. Trotzig ließ er das Duell daher schon im Vorfeld platzen. Ein Armutszeugnis für einen demokratischen Politiker, zumal für einen Kanzlerkandidaten. Und dennoch: Die Frage, was der Erkenntnisgewinn und Nutzen bei einem Duell zwischen Habeck versus Weidel gewesen wäre, sollte durchaus gestellt werden dürfen. Denn liefert ein Duell, ein Zweikampf zwischen zwei Politikern, nicht überhaupt nur dort einen Mehrwert, wo sich zwei tatsächliche Konkurrenten im Wettbewerb um dieselben Wählerstimmen befinden? Welcher vor dem heimischen TV zuschauende Wähler schwankt bei seiner Wahlentscheidung aber zwischen der AfD oder den Grünen? Ich behaupte kein einziger. Statt zu einem womöglich nur unter Unterhaltungsgesichtspunkten interessanten Schlagabtausch, lud das ZDF Weidel und Habeck daher gestern Abend zu etwa 20-minütigen Interviews ein, während sich Louis Klamroth bei Hart aber fair mit Christian Lindner, Sahra Wagenkecht und Jan van Aken zufriedengeben musste.

In meinem sich dem Ende zuneigenden Politik-Studium habe ich gelernt, dass Wahlen vor allem Abstimmungen über die Zufriedenheit mit der Arbeit der jeweiligen Regierung sind. Die mittlerweile auseinandergebrochene Ampel-Koalition wird als die bisher unbeliebteste Bundesregierung in Nachkriegsdeutschland in die Geschichtsbücher eingehen. SPD und FDP haben in den vergangenen dreieinhalb Jahren seit der letzten Bundestagswahl erhebliche Teile ihrer Wählerschaft eingebüßt. Die Grünen bewegen sich zwar in Umfragen in etwa auf dem Niveau von 2021, können im aktuellen Wahlkampf aber nicht an das damalige Umfragehoch in den Monaten vor der Wahl anknüpfen.

Die selbsternannte Fortschritts-Koalition ist an ihren inneren Widersprüchen zerbrochen und kollektiv gescheitert. Und mit ihr zugleich ihre wesentlichen Protagonisten. Dennoch treten alle beteiligten Parteien mit jenem Personal an, das persönlich verantwortlich für dieses Scheitern ist. Dass die Grünen mit Robert Habeck einen unübertroffen überforderten Wirtschaftsminister ins Rennen schicken, muss vor diesem Hintergrund und dem seiner persönlichen Bilanz eigentlich verwundern, entspricht aber der – vorsichtig formuliert – ökonomischen Unbedarftheit seiner gesamten Partei.

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