Am Dienstag eröffnete Gregor Gysi den neuen Bundestag. Seine Rede erschien auf den ersten Blick bloß schwach: handwerklich misslungen, inhaltlich zerfasert, ohne Vogelperspektive und dafür mit obskuren Exkursen zur Besteuerung von Weihnachtsbäumen. Bei genauerem Hinhören offenbarte sich jedoch, was der Linken-Politiker im Bundestag entwarf: Es war eine neue historische Erzählung für ein Deutschland, in dem sich Linke und Islamisten wechselseitig die Macht sichern.
So gab sich Gysi beste Mühe, die sozialistische Diktatur in Ostdeutschland als harmlos darzustellen: Zwar hätten die „Demonstrierenden“ in der DDR „Mut bewiesen“, aber: „Auf der anderen Seite muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass damals von den bewaffneten Kräften der DDR kein einziger Schuss abgegeben wurde.“ Gysi kritisierte, die DDR sei auf „Staatssicherheit und Mauertote“ reduziert worden.
Blick von der Bösebrücke auf die Grenzanlagen an der Bornholmer Straße. Grenzanlage zwischen Ost- und West-Berlin in Richtung Gesundbrunnen.
Weitere Lobesworte fand er für die Gleichstellung, bei der „die DDR noch nicht am Ziel, aber deutlich weiter war als die damalige Bundesrepublik Deutschland“, sowie für die vermeintlich bessere Öko-Bilanz: „Und dann war die DDR schon zu diesem Zeitpunkt eine Behalte- und keine Wegwerfgesellschaft wie die Bundesrepublik. Sie war das zwar nicht aus ökologischen, sondern aus ökonomischen Gründen, aber sie war es halt.“
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