„Fremd im eigenen Land“ – Wie Migration westeuropäische Städte zur Unkenntlichkeit verändert

vor etwa 1 Jahr

„Fremd im eigenen Land“ – Wie Migration westeuropäische Städte zur Unkenntlichkeit verändert
Bildquelle: Tichys Einblick

„Ich fühle mich wie ein Fremder in meiner eigenen Stadt.“ Mit diesen Worten beschreibt eine 68-jährige Britin das Lebensgefühl, das in vielen westlichen Großstädten heute um sich greift. Was die Telegraph-Reporterin in Erdington, einem Vorort von Birmingham, beobachtet, steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich quer durch Europa zieht: eine dramatische Veränderung von Gesellschaft und Stadtbild, getrieben durch Jahrzehnte ungesteuerte Migration, massiv beschleunigt in den letzten zehn Jahren.

Schon der erste Eindruck ist erschütternd. Kaum angekommen, wird die Journalistin von einem jungen Mann wütend beschimpft und bedroht. „Ein weiterer Tag in Erdington“, kommentiert eine Passantin knapp. Auf der High Street, einst als „Golden Mile“ bekannt, prägen heute Drogenkonsum, Gewalt und Ladendiebstahl das Straßenbild. Marks & Spencer, Boots, die Bankfiliale – alle verschwunden. Dafür: Imbissbuden, Ramschläden, Märkte anderer Nationen gewichen.

„Ich werde wegziehen, bevor meine kleine Tochter geboren wird“, sagt Charlotte, 28. „Bei meinen Terminen im Krankenhaus bin ich oft die einzige Weiße dort. Ich könnte sie hier nicht zur Schule schicken. Ich will, dass sie mit britischen Werten aufwächst.“ Viele teilen ihre Einschätzung: Integration bleibt Wunschdenken. „Die Leute integrieren sich nicht, und das sollten sie tun“, sagt Sean Halloran, 59, früher Gärtner, heute Familienpfleger. „Ich bin kein Rassist. Aber wer hierherkommt, sollte beitragen wollen.“

Das Gefühl, fremd im eigenen Land zu sein, hat längst breite Teile der Bevölkerung erfasst. Laut einer aktuellen Umfrage fühlen sich 44 Prozent der Briten wie Fremde im eigenen Land. Insbesondere die Midlands verzeichnen eine tiefe soziale Isolation. Erdington, wo jeder fünfte Einwohner im Ausland geboren wurde, steht dabei exemplarisch.

Einen präziseren Eindruck vermittelt die jüngste Auswertung der britischen Volkszählung durch den Telegraph: In Erdington leben 3.086 Menschen aus Pakistan, 2.996 aus Polen, 2.053 aus Rumänien und 1.996 aus Jamaika. Es folgen Iren (1.512), Inder (1.398), Nigerianer (888), Bangladescher (703), Eritreer (556), Simbabwer (451) und Italiener (424). Von einem klassischen britischen Vorortbild ist Erdington inzwischen meilenweit entfernt. Die innereuropäische Migration ist dabei weniger Straßenbild- und Gesellschaftsprägend.

Auch britische Bürger mit Migrationshintergrund empfinden die Entwicklungen zunehmend als bedrohlich. Gavin Johnson, Sohn karibischer Einwanderer, sagt: „Niemand spricht mehr miteinander. Es gibt keine Gemeinschaft mehr.“ Offenheit und Miteinander wichen Schweigen und Rückzug. Der öffentliche Raum wird zur Angriffsfläche.

Die Kriminalität explodiert. „Es wimmelt hier nur so von Crackabhängigen“, berichtet die 23-jährige Verkäuferin Lucy Hayes. „Dieses Viertel hatte immer schon Zuwanderer, gerade Iren – das ist nicht das Problem. Aber Kriminelle haben das Viertel übernommen.“ Überall Drogenabhängige, Bettler, Gewalt. Schon vormittags ein Bild der Verwahrlosung.

„Ich arbeite hart, ich zahle meine Steuern, aber all die Probleme machen das Leben hier schwer“, sagt Ibrahim, 34, aus dem Irak. Er selbst erlebte keinen Rassismus. Doch die Realität auf den Straßen spricht für sich. Immer mehr Bürger empfinden ihre Heimatstadt als unsicher. „Ich würde niemals spät abends rausgehen“, so Charlotte. Politik und Behörden verschärfen die Probleme zusätzlich. Erdington sei zur „Abladestelle für Flüchtlinge, Ex-Häftlinge und Menschen mit psychischen Problemen“ geworden, so die Wahrnehmung vieler Anwohner. 180 sogenannte HMOs (Mehrbettunterkünfte) gibt es bereits. Immer mehr Menschen mit multiplen Problemen landen geballt in Vierteln wie Erdington.

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