Fakten und Reflexionen über Donald Trump

vor etwa 1 Jahr

Fakten und Reflexionen über Donald Trump
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Kein US-Präsident war jemals so verhasst, keiner wurde je übler beschimpft als Donald Trump. Er zerstöre Demokratie und Rechtsstaat, attackiere die Freiheit von Wissenschaft und Presse, agiere wie ein Diktator, heißt es. Dann wieder wird er als irrlichternder, emotionaler und damit hochgefährlicher Politiklaie dargestellt, der imperiale Gelüste habe (Grönland!), das Völkerrecht ignoriere (Gaza!), Menschenrechte missachte (Ausweisungen!) und Verbündete attackiere.

Die linken Mainstream-Medien in den USA und Europa beschreiben den 78-Jährigen als korrupten Egomanen, der nur sich und seinen Clan bereichern wolle. Die Historikerin Anne Applebaum, im November mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, nennt ihn den „korruptesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten“. Die neue US-Führung versuche, sich der Verantwortung als westliche Schutzmacht (NATO, Ukraine) zu entziehen, lautet die Klage vor allem in Europa. Der Immobilien-Tycoon im Weißen Haus verrate den freien Westen, die freiheitlichen Werte, das westliche Bündnis und die um ihre Existenz kämpfende, von Russland angegriffene Ukraine.

Trumps Außenpolitik ordne alles seiner Strategie gegen den Großmacht-Konkurrenten China unter, lasse dabei auch Verbündete und Freunde im Stich. Seine zuweilen hektische, unberechenbare Handels- und Zollpolitik wird als gefährlicher Schlingerkurs für die Welt wirtschaft gegeißelt. Zudem nutze er weltweit die militärische und ökonomische Vorherrschaft der USA für unfaire „Deals“, die nur den Amerikanern und ganz besonders auch ihm selbst und seinem Clan nutzten. Unter Trump seien die USA zu einem „Schurkenstaat, der zu Einschüchterung und Erpressung greift“, verkommen, schrieb „Focus“-Kolumnist Jan Fleischhauer.

Viele Vorwürfe widersprechen sich diametral. So werfen ihm beispielsweise die einen vor, er habe geopolitisch eine alles dominierende Strategie, während die anderen konstatieren, dass er weltpolitisch nur willkürlich und planlos agiere. Linke Kommentatoren erklären solche Ungereimtheiten gern mit der erratischen Unberechenbarkeit Trumps, nicht mit dem wilden Furor der globalen Linken gegen den ehrgeizigen Reformpolitiker im Weißen Haus.

Immerhin gibt es in den USA schon einen Begriff für das zwanghafte Bedürfnis, jede Entscheidung und jede Maßnahme Trumps zu verdammen: „Trump Derangement Syndrome“, sinngemäß übersetzt eine „krankhafte, obsessive Trump-Ablehnung“. Tatsächlich wird der 45. und nun 47. Präsident der USA von der halben Welt gehasst und verabscheut wie wohl kaum einer seiner Vorgänger, obwohl Antiamerikanismus schon immer populär war.

Die zu einem guten Teil emotionale, irrationale Ablehnung Trumps reicht deutlich über das linke Lager hinaus, siehe beispielsweise Jan Fleischhauer oder aber auch Teile der Frauenbewegung und der christlichen Kirchen, die die republikanische Sicht auf woke Kultur durchaus teilen, den Republikaner aber menschlich verabscheuen.

Dieser Widerwillen gegen den 78-Jährigen, seine scheinbare politische Sprunghaftigkeit, insbesondere aber seine höchst fragwürdigen Privatgeschäfte drohen weltweit Kollateralschäden auch in politischen Lagern anzurichten, die ihm programmatisch nahestehen, zum Beispiel in der Abwehr von linken, totalitären Strömungen, Diversitäts- und Gender-Ideologen, von Islamisierung und illegaler Migration.

Die Freude bei Konservativen und Freiheitsliebenden in der westlichen Welt über den Einzug eines Politikers ins Weiße Haus, der den Kampf gegen die kulturelle und politische Dominanz von linken, woken Eliten aufnehmen will, weicht zuweilen der Befürchtung, dass paradoxerweise ausgerechnet der konservative Frontkämpfer Trump die antilinken Kräfte in der ohnehin verunsicherten, instabilen freien Welt schwächen und beschädigen könnte. Irritieren könnte bei aller Kritik an Trump, dass sich zumindest auf manchen Feldern die Anschuldigungen und Vorwürfe gegen ihn allein in seinen ersten vier Monaten im Amt überraschend schnell ändern. Sensationsheischenden, empörten Schlagzeilen über Trumps angebliche Schandtaten folgt in deutschen Medien oft genug Tage oder Wochen später still und leise die deutliche Abschwächung und Relativierung in der Beurteilung der vermeintlich krassen Aktionen oder radikalen Pläne des Republikaners.

Angesichts einer hochemotionalen, häufig auch zutiefst amerikafeindlichen Berichterstattung vieler Medien gibt es einen schmerzlichen Mangel an einer differenzierten und nüchternen Darstellung und Beurteilung der extrem ambitionierten und manchmal wohl völlig überhastet umgesetzten Reformagenda des republikanischen Außenseiters der US-Politik. Wobei Trump immer wieder auch glühende Anhänger irritiert, wenn es aussieht, als ob er persönlich oder seine große Familie die Präsidentschaft nutzten, um ihr Vermögen zu vermehren.

Absurd ist es, zu glauben, schon wenige Monate nach Amtsantritt sei es möglich, verbindlich und klar Folgen und Ergebnisse von Trumps Politik beurteilen zu können; die meisten Medien reagieren allerdings fast zwanghaft mit Abscheu und Empörung auf irgendwelche absurden Zitate des undisziplinierten, nicht selten schwadronierenden Präsidenten. Dann werden kurzzeitige Kurseinbrüche an den Börsen dramatisiert, erkennbare Fehlgriffe oder befremdliche Aktionen der US-Regierung aufgebauscht, um die große Keule der medialen Verdammnis zu schwingen.

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