Macron, Merz & Co. sollen Donald Trump in Davos in die Knie gezwungen haben – hat Europa endlich seine Stärke bewiesen? Eine Interpretation, die man hierzulande wohl exklusiv hat. Der Historiker Niall Ferguson nennt das eine „völlig falsche Einschätzung“. Stattdessen meint er: „Trump hat Davos haushoch gewonnen. Und er hat es nicht nur gewonnen – er hat es beherrscht. Ich habe noch nie zuvor erlebt, dass eine einzelne Person diesen riesigen Basar der Mächtigen, Reichen, Berühmten und Selbstgefälligen so vollständig dominiert hat.“ Trump habe weder die Annexion Grönlands noch die angekündigten Zölle ernsthaft erwogen.
Wie ernsthaft Trumps Grönland-Sprüche und der jetzt geschlossene Deal auch immer sein mögen: Die europäische Überinterpretation dieser Affäre und insbesondere der eigenen Rolle dabei kennt keine Grenzen. Das Wort Epochenbruchs hat in Leitartikeln Hochkonjunktur. Langsam beschleicht einen das Gefühl, dass gerade die eigene Machtlosigkeit und Handlungsunfähigkeit in der Grönlandfrage diese so unheimlich attraktiv für die europäische Politik macht.
In den Hintergrund rücken dabei nicht nur die festgefahrene innenpolitische Situation, sondern auch die wirklich brennenden außenpolitischen Themen: der andauernde Krieg in der Ukraine und der andauernde Blutrausch des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung etwa. Und zumindest im Gefallen an dieser Ablenkung finden Donald Trump und die Europäer auf wundersame Weise zueinander, spielen sich die rhetorischen Bälle zu und begeben sich lustvoll in wortgewaltige Scheingefechte.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










