Vom „Chuck Norris der Wissenschaft“ zum verwirrten Verstecker geschrumpft

vor 7 Monaten

Vom „Chuck Norris der Wissenschaft“ zum verwirrten Verstecker geschrumpft
Bildquelle: Tichys Einblick

„Ich habe Besseres zu tun!“ antwortete Christian Drosten dereinst auf eine kritische, journalistische Anfrage – öffentlich, auf X (damals Twitter), bis heute nachlesbar.

Das war im Jahr 2020. Mitten in der größten politischen, sozialen und medizinischen Krise der Nachkriegsgeschichte. Eine Aussage von atemberaubender Arroganz, die sein damaliges Selbstverständnis deutlich illustriert und deren unmissverständliche Botschaft lautet: „Meine Zeit ist wertvoller als Ihre Fragen.“ Statt ihm diese Überheblichkeit anzukreiden, sind Fanclub und Medien ab diesem Augenblick endgültig des Lobes voll, eine Punkband schreibt ihm im Liebestaumel gar eine anbiedernde Ode und tituliert ihn als „Chuck Norris der Wissenschaft“. Der Playboy wählt ihn zum „Mann des Jahres“. Verzückt wird geraunt, ob der heldengleiche Virenpapst, der selbst unter Hochdruck glasklare Prioritäten zu setzen vermag und seine Gegner kalt lächelnd abtropfen lässt, wohl auch Kanzler kann?

Dieses Motiv – Zeit als Machtmittel – zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Coronerzählung. Denn am Beginn der Entdemokratisierung steht ein Satz, der jede Diskussion zuverlässig beendet: „Menschenleben stehen auf dem Spiel, wir haben keine Zeit!“ 
Keine Zeit für offene Debatten, lästige Nachfragen oder Dissens. Keine Zeit für gründliche Datenerhebungen, Abwägeprozesse, alternative Sicht- oder Herangehensweisen.

In teleskopierten Studien und Notfallzulassung findet das Eiltempo seine konsequente Fortsetzung und moralische Legitimation. Wer eine sorgfältige Prüfung verlangt, gilt alsbald als große Gefahr. Entscheidungen müssen schließlich sofort getroffen werden. Und wer unter Zeitdruck entscheidet, entscheidet ohne spätere Rechtfertigungspflicht, so jedenfalls wohl die implizite Erwartung.

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