Hoffnung ist von der Wirtschaft nicht zu erwarten. Wenn das, was der BDI-Chef Peter Leibinger der SZ erzählte, der intellektuelle Standard der deutschen Wirtschaft ist, blitzen Dantes Verse am Eingang des Infernos auf: „Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“. Soviel Eiertanz, soviel Opportunismus und soviel Schwelgen in kognitiver Dissonanz ist schon erschütternd. Einerseits konstatiert Leibinger wie ein sich kühn dünkender Mitarbeiter der KAS, dass die „neue Regierung“ – welch neue Regierung? – „gut gestartet“ sei, dann aber „im Laufe des Sommers etwas den Faden verloren“ habe.
Was bezeichnet Leibinger als guten Start? Den Bruch der Wahlversprechen? Die Mega-Verschuldung? Welchen Faden hat denn die Regierung gesponnen, den sie dann „etwas“ verloren hat? Übrigens kann man nicht „etwas“ den Faden verlieren, sondern man hat ihn verloren oder eben nicht, wie man auch nicht ein bisschen schwanger sein kann. Den Faden des Klassenkampfes gegen die Arbeitgeber hat die Regierung nicht verloren, hat doch Merz ganz im Sinne von Bas auf dem CSU-Parteitag gegen die Unternehmer geholzt. Vor dem Hintergrund bekommt Leibingers Lamento, dass man zuerst wohl die „eher einfachen Dinge angepackt“ habe, einen leicht masochistischen Zug. Nebenbei welche „eher einfachen Dinge“ sollen das sein, die von der Regierung angepackt worden sind? Der Herr wird nicht konkreter.
Zwar kann Leibinger die Realität nicht ganz außer Acht lassen, wenn er einschätzt: „Beim Start der Regierung im Mai war die Lage der Wirtschaft kritisch, die Stimmung aber hoffnungsvoll.“ Klar, man hat eine andere Wirtschaftspolitik als die Habecksche Klimaplanwirtschaft erwartet, doch die Fortsetzung der Habeckschen Klimaplanwirtschaft durch Reichel bekommen. Das gibt auch Leibinger, weil es nicht zu leugnen ist, zu: „Jetzt sind die Probleme immer noch da, viele in den Unternehmen sind aber so maßlos enttäuscht, wie ich es noch nie erlebt habe. Die Stimmung ist extrem negativ, teils regelrecht aggressiv.“ Doch auf diese klare Beschreibung folgt die tiefe Verbeugung nach dem byzantinische Hofritual von Neu-Versailles in Berlin Mitte, dass das nämlich daran läge, dass „manche Erwartungen“ seitens der Unternehmer „sicher überzogen“ waren. Die Unternehmen sind also selbst schuld, sie hatten halt zu hohe „Erwartungen“.
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