„Vater Staat kann Scheide lecken“: Die neue Carolin-Kebekus-Sendung gleicht einem Unfall

vor 3 Monaten

„Vater Staat kann Scheide lecken“: Die neue Carolin-Kebekus-Sendung gleicht einem Unfall
Bildquelle: NiUS

Um 23:41 Uhr steht Carolin Kebekus in einem roten, gerafften Langarm-Top und schwarzen Jeans vor einem schimmernden grünen Hintergrund aus konzentrischen Neonringen, der an einen futuristischen Uterus oder eine besonders ambitionierte U-Bahn-Station erinnert. Es ist Donnerstagabend, ARD Late Night. Mit der Miene derer, die gerade die Apokalypse verkünden, aber dabei gute Laune verbreiten möchten, begrüßt die 45-Jährige das Publikum. Die Welt sei noch schlimmer geworden, sagt sie, doch heute starte man positiv: Die Menschheit fliege wieder zum Mond. „Yeah.“ Nur: Gelandet sei man nicht. Man sei nur herumgeflogen. „So als würdest du zu McDonald’s gehen, durch den McDrive fahren und dann aber nichts bestellen. Ich will nur gucken.“

Es folgen dann „gute Nachrichten“, denn das moderne Infotainment ist augenzwinkernd und ironisch: Benzin, so Kebekus, sei so teuer, dass Laufen sich wieder lohne – „viele Frauen sehnen sich jetzt doch wieder nach dem Prinz auf dem Pferd. Aber nicht wegen dem Prinz, sondern wegen dem Pferd“. Männer unter 45 bräuchten Bundeswehr-Genehmigung, um länger das Land zu verlassen („weniger nervige Dubai-Influencer“). Und Heidi Klum habe einen neuen Hund.

Was als launiger Einstieg in die neue Staffel der „Carolin Kebekus Show“ gedacht ist, entpuppt sich rasch als symptomatisch für das gesamte Unterfangen. Die Sendung reiht sich ein in den sehr aktuellen Topos der „Wut“ – jenen Affekt, der derzeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Konjunktur hat wie selten zuvor. „Wir müssen wütender sein“, lautet die Parole, und im Nachgang der inszenierten Collien-Fernandes-Christian-Ulmen-Affäre zeigt sich der gebührenfinanzierte Rundfunk von seiner wütenden Seite. Nicht die beste, aber eine, die folgt: Die Scham müsse die Seite wechseln, Frauen sollten endlich laut und zornig sein, Männer willfährig und unterwürfig, „digitale Gewalt“ sei das alles erklärende Meta-Problem. Caren Miosga, Anne Will, Anja Reschke und Sarah Bosetti griffen auf ihre Weise das Thema auf. Wütende Frauen? Nun folgt Carolin Kebekus.

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