Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (CDU), hat der Bundeswehr am 3. März vor einer – schwach besuchten – Bundespressekonferenz mit seinem Jahresbericht 2025 ein Zeugnis ausgestellt: Gespickt mit den Noten 5 und 6, in Worten: Jede Menge „mangelhaft“ und „ungenügend“, kaum ein „ausreichend“. Die 96 Seiten seines Berichts sind voller Defizitdiagnosen.
Otte sagt einleitend: Die Bundesregierung habe mit dem Ende der Schuldenbremse und dem neuen Freiwilligendienst wichtige Schritte zur Verteidigungsfähigkeit eingeleitet. Otte fügt aber an: „Die pauschale Berufung auf eine Unterfinanzierung der Bundeswehr ist keine Ausrede mehr.“ Denn im Verteidigungshaushalt standen 2025 62,3 Milliarden Euro zur Verfügung, zehn Milliarden mehr als 2024, dazu Mittel aus dem Sondervermögen. Dennoch kneift es vorne und hinten. Das heißt: Einsatzfähigkeit, Verteidigungsfähigkeit, gar „Kriegstüchtigkeit“ (Verteidigungsminister Pistorius, SPD) sehen anders aus.
Bis Mitte der 2030er Jahre soll es 260.000 aktive deutsche Soldaten geben. Derzeit gibt es 184.194. Otte nennt diesen Aufwuchs „zwingend“ im Interesse einer „glaubhaften Abschreckung“. Die Zahl der verfügbaren Reservisten soll auf mindestens 200.000 ab dem Jahr 2033 erhöht werden.
Der Anteil von Mannschaftssoldaten in der Truppe, so Otte, sei mit 29,3 Prozent viel zu gering. Innerhalb der aktuellen Personalstruktur komme somit fast auf jeden Mannschaftssoldaten ein Offizier. In der Bundeswehr gibt es aktuell 21,6 Prozent Offiziere und 49,1 Prozent Unteroffiziere, gemäß dem Prinzip „All Chiefs – No Indians“. Diese Schieflage bildet sich in der im Aufbau befindlichen „Brigade Litauen“ ab. Dort fehlt es an bis zu 90 Prozent Mannschaftsdienstgraden. Otte bedauert auch die zu hohe Abbrecher-Quote: Der Anteil derer, die in der Probezeit den Dienst quittierten, stieg von 19 auf vorläufig 19,8 Prozent.
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