Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich diesmal keinen Arbeitskreis, sondern versuche, meine Landeskinder mit Liebesentzug bei der Stange zu halten. So in etwa stellt sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wohl sein Druckmittel für die Landtagswahl im September 2026 vor.
In der Bild-Zeitung – sie ist wie ARD und ZDF ganz vorn dabei, wenn es gegen die Alternative für Deutschland geht – orakelt der heutige Wittenberger über ein Verlassen seines Bundeslandes, sollte die AfD dort stärkste Kraft werden. „Wenn die AfD zur Macht käme, dann wäre für mich wirklich die Grundsatzüberlegung, ob ich nach 72 Jahren meine Heimat verlassen würde“, verkündet der potenzielle Auswanderer gegenüber Bild.
Es ist eher eine Drohung an sein Wahlvolk: Wenn Ihr mich nicht wählt, gehe ich. So wie es schon sein SPD-Kollege Dietmar Woidke in Brandenburg vorgemacht hatte. Doch bei dessen Landtagswahl am 22. September 2024 gab es noch nicht den größten CDU/CSU-Wahlbetrug im Bund und das schlechteste SPD-Wahlergebnis aller Zeiten ohne personelle Konsequenzen. Vielleicht endet ja Haseloffs Drohung auch in einer Selbstüberschätzung.
Schlimmer noch: Sein Heimatland hat Haseloff 1994 bei der Machtteilhabe durch die Rechtsnachfolger der SED-Täterpartei des DDR-Regimes nicht verlassen. Die Partei der Mauerbauer alias PDS errang damals durch Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung nicht einmal fünf Jahre nach dem Mauerfall wieder Macht. Wenig später regierten die Ex-SED-Mittäter in Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit. Die Erben der Verursacher von Mauertoten, Menschenhandel und politischer Gefangenschaft waren für Haseloff also kein Grund zum Auswandern.
Obendrein liegt die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD laut einer Umfrage vom Januar fast gleichauf, aber in Sachsen, Thüringen, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern schon weit dahinter. Wenn aber FDP, Grüne oder BSW nicht im Landesparlament sind, wird es für Haseloff halt sehr schwer, mit der schwindsüchtigen wie einstelligen SPD einfach weiter zu wursteln. Notfalls könnte er jedoch auch wie in Thüringen und Sachsen auf die Hilfe der SED-Erben zurückgreifen. Alles ist bei Haseloff möglich.
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