Aus der Asche

vor 29 Minuten

Aus der Asche
Bildquelle: Apollo News

Sieben Wochen nach dem 11. September 2001 steigt im Yankee-Stadion in der New Yorker Bronx bald das dritte Spiel der Baseball World Series, dem großen Finale der amerikanischen Baseball-Liga. Alles scheint, wie man es auch sonst von amerikanischen Sportveranstaltungen kennt. Patriotisch wird die Nationalhymne angestimmt. Der Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, darf den zeremoniellen ersten Pitch werfen. Es gibt einen triumphalen Überflug von mehreren Militärjets. Es ist fast schon so, als hätte die Stadt, in der das Spiel stattfindet, nicht erst vor wenigen Wochen die Hölle auf Erden durchlebt. Erst bei genauerem Hinsehen sieht man die Narben, die die Terroranschläge vom 11. September hinterlassen haben. Die Sicherheitsvorkehrungen für das Spiel waren so hoch wie nie. Die Militärjets flogen auf einer ungewöhnlichen Höhe.

Ansonsten werden die Ereignisse des 11. September weder im Stadion noch in der Berichterstattung direkt thematisiert. Die einzige Botschaft, die man durchgängig auf den selbstgemachten Plakaten der Fans beobachten und den Kommentaren der Sportjournalisten entnehmen kann: „Yanks lassen sich nicht unterkriegen“. Auch die New York Yankees, das Sportteam, das sich bis in diese World Series gekämpft hatte, hat sich nicht unterkriegen lassen. Das war das erste Spiel dieser World Series, das in New York stattfand. Bei den vorherigen beiden Spielen, die in Phoenix, Arizona stattgefunden hatten, hatten sich die Yankees geschlagen geben müssen. Die drei darauffolgenden Spiele in New York gewannen sie allesamt.

Viele Amerikaner empfinden die World Series 2001 heute als Höhepunkt der nationalen Einigung nach den Terroranschlägen. Sie ist für viele zu einem Ereignis größter Nostalgie geworden. Die normalerweise kitschig-patriotischen Bekundungen hatten dieses Mal tatsächlich einen ernsthaften Hintergrund. Schließlich wurde vor 25 Jahren am 11. September nicht nur das World Trade Center angegriffen, sondern all die Werte, für die Amerika steht. Doch wie ein Phönix aus der Asche stieg die amerikanische Gesellschaft wieder auf. Die Finalaustragung der Baseball World Series, eines Sports, der amerikanischer kaum sein kann, nur 15 Kilometer von dem Ort des Unglücks entfernt, bildete dabei einen symbolischen Höhepunkt. Es war der unbändige Wille weiterzuleben, sich nicht unterkriegen zu lassen.

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