Aufstieg und Fall des Sächsisch-Thüringischen Industriereviers

vor 6 Monaten

Aufstieg und Fall des Sächsisch-Thüringischen Industriereviers
Bildquelle: Tichys Einblick

Zivilisatorische Sprünge ereignen sich, wenn sich im Humus einer Kultur günstige Faktoren zu einer explosiven Mixtur des Fortschritts zusammenfinden. Die industrielle Revolution in England war ein solcher Moment der Verdichtung.

Sie entstand aus dem Zusammenspiel technischer Innovationen wie der Dampfmaschine, die Kraftmaschinen in der Produktion den Weg frei machte, der Entdeckung reichlicher Kohle- und Eisenerzvorkommen sowie einer leistungsfähigen Landwirtschaft. Diese ermöglichte ein starkes Bevölkerungswachstum und setzte jene Arbeitskräfte frei, die später in der Industrie benötigt wurden.

Auf dem Fundament politischer Stabilität, des aus der englischen Freiheitsphilosophie erwachsenen Schutzes des privaten Eigentums und eines über lange Zeit gefestigten und hochentwickelten Geldsystems zur Finanzierung unternehmerischer Wagnisse wuchs die erste Supermacht der Moderne empor.

Das British Empire wurde zu einem industriellen Kraftzentrum, das der Moderne ihren Rhythmus und ihren Charakter verlieh.

Etwa zwei Generationen später vollzog sich dieser Prozess der Industrialisierung auch im deutschen Raum – und mit besonderer Wucht in einer Region, die später als Sächsisch-Thüringisches Industrierevier bezeichnet werden sollte. Mit den Revolutionsjahren 1848 und 1849 gelang nach der Phase der Frühindustrialisierung, die etwa zur Zeit des Hambacher Festes um 1830 anhob, der industrielle Durchbruch in den deutschen Königreichen Preußen und Sachsen.

Binnen weniger Dekaden entwickelten die auf der Schwerindustrie aufbauenden Sektoren, getragen von einer über Jahrhunderte gewachsenen Gewerbe- und Handwerkstradition, eine der leistungsfähigsten Industrielandschaften Deutschlands.

Leicht zugängliche Braunkohlevorkommen, ergänzt um den Import von Kohle aus dem Ruhrgebiet und aus Oberschlesien, bildeten die energetische Grundlage dieses Aufschwungs.

Sie ließen die sächsischen Zentren Chemnitz und Zwickau ebenso wie das mitteldeutsche Revier um Halle und Leipzig, die Lausitz und den Großraum Magdeburg rasch aufblühen. Wo zuvor Manufakturen und Zünfte das wirtschaftliche Leben geprägt hatten, entstanden Fabriken, Maschinenhallen und Hüttenwerke, die in immer größerem Maßstab produzierten.

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