Würde Thomas Mann heute leben, würde sein Davos-Roman „Der Zauberberg“ nicht in einem Lungensanatorium spielen, sondern auf dem World Economic Forum.
In Manns „Zauberberg“ prallen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und im sich abzeichnenden Zusammenbruch der damaligen Weltordnung Ideologien und Illusionen aufeinander, in einer abgeschlossenen elitären und dekadenten Gesellschaft, die nur eines vereint: Es herrscht eine gereizte aber zugleich realitätsfremde Stimmung. Das ist tragisch und komisch zugleich. Es ist das Bild für eine Gesellschaft im Niedergang, die sich dennoch selbst feiert. Wer da nicht an die Gegenwart und an das World Economic Forum denkt, dem ist nicht zu helfen. Wie die Zacken einer Krone glänzen die beschneiten Gipfel. über dem Gipfel der Gipfel. Zu dem wird das Treffen im Kongresszentrum verklärt, als sei dort der Wertgeist eingekehrt. Auf dem Zauberberg sind alle an Lungentuberkulose erkrankt. Auch die Welt-Krankheit ist unheilbar.
Noch vor wenigen Jahren sahen Verschwörungstheoretiker im Davoser Treffen eine Hexenküche, eine Art Konzil der böser Globalisierer. Sie interpretierten das Buch des (inzwischen abgesägten) WEF-Gründers Klaus Schwab „The Great Reset“ (2020) als Masterplan zur Erringung der Weltherrschaft einer Finanzelite. George Soros und BlackRock-Gründer Larry Fink (heute als Co-Vorsitzender in Davos zu erleben) entsprechen als Feindbilder wohl nicht zufällig antisemitischen Klischees. Das war schon immer Unsinn. In diesem Jahr aber dominierte ein Mann Davos, den die Weltverschwörungstheoretiker eher bewundern. Alles drehte sich um The Great Donald Trump. Zwischen Größenwahn und Beleidigtsein erklärte er, dass ohne ihn die Welt schon längst zu Grunde gegangen wäre. Von Unfähigen umzingelt, hat der Herkules der Neuzeit alle Hände damit zu tun, den Welt-Saustall auszumisten und das ganze Himmelsgewölbe auf seine Schultern zu laden. Und Grönland? Ist ohnehin nur ein Stück Eis in seinen Augen. Die Grönländer, denen allein das Land gehört, kamen in seiner Rede gar nicht erst vor. Immerhin will Trump auf Gewalt verzichten. Nicht über der größten Insel der Welt sollen Stars and Stripes flattern, sondern nur über künftige US-Militärbasen, deren Notwendigkeit niemand bezweifelt. Um sie (wieder) zu errichten, hätte nicht die transatlantische Freundschaft in den Orkus der Geschichte gestoßen werden müssen. Es gibt Wichtigeres: Zum Beispiel der Krieg in der Ukraine. Zum Beispiel der Kampf gegen den Gottesstaat Iran. Zum Beispiel die Wirtschaft.
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