Vom großen Arno Schmidt ist der Satz überliefert: „Die Verleger trinken Sekt aus den Hirnschalen ihrer Autoren.“ Ich erinnere mich anders. Es war französischer Schampus, und nicht nur mein Verleger teilte ihn mit seinen Autoren bis in die Morgenstunden in allen fünf Nächten der Frankfurter Buchmesse im Frankfurter Hof, dem Fünf-Sterne-Epizentrum der Weltliteratur während der Frankfurter Buchmesse. Es war einmal.
Es war einmal ein rauschendes Fest der Literatur, gelegentlich hart am Rande der Dekadenz, aber voller Zuversicht. Die Verleger waren spendabel, nicht nur mit Gelagen, sondern auch mit Vorschüssen, weil neben Sprit vor allem Spirit sprudelte, der Rohstoff der Branche. In den Messehallen drängelten sich einige tausend Buchhändler mehr als heute – und Leser, viel mehr Leser. Geist und Geschäft befanden sich in bestem Einvernehmen. Heute igelt sich die Branche ein, kleinmütig, kraftlos und politisch korrekt bis auf die Knochen, auf denen kaum noch Fleisch sitzt.
Mit der Buchmesse vor einem halben Jahrhundert hat die Veranstaltung gleichen Namens heute nicht mehr viel zu tun. Und das liegt nicht am Versiegen der Champagnerströme.
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