Jetzt haben wir den Salat. Erst haben alle das Vertrauen in die Regierung verloren. Und nun auch noch der Kanzler das Vertrauen in das Volk. Aber auch die CDU/CSU in ihn. Wenn das kein Rücktrittsgrund ist, was dann?
Wenn Merz sich über die Faulheit der Leute beklagt und „Ärmel aufkrempeln“ fordert (was mit dem „Gürtel-enger-schnallen“ Ludwig Erhards nicht verwechselt werden kann; bei diesem ging’s bergauf, bei jenem geht’s bergab), zeigt er mit dem ausgestreckten Finger auf die Wähler, aber keineswegs mit drei anderen Fingern auf sich selbst. Wo kämen wir denn da hin! Er wolle jetzt deutlich mit Klingbeil reden, hat Merz angekündigt. Vor Wirtschaftsvertretern. Er redet noch jedem Auditorium nach dem Mund.
Er soll sogar richtig gepoltert haben – vor ein paar Tagen bei der Kabinettsklausur in der Villa Borsig. Erst hatte er Klingbeil in Sachen Steuererhöhung alles Mögliche zugestanden. Dann hatten ihn seine eigenen Leute eingebremst. Danach hatte er die Nerven verloren, weil er sich ertappt fühlte. Merz ist ein Quitter, ein Nachgeber, ein Aufgeber, der noch nie bewiesen hat, dass er sich durchsetzen kann. Richtlinien setzt in dieser Koalition nur die Zwölf-Prozent-SPD. Eine echte Arbeiterpartei. Alles Maurermeister: Sie haben ja auch zusammen mit Merz die Brandmauer hochgezogen. Aber wenn nicht alles trügt, macht ein wachsender Teil der CDU/CSU-Fraktion nicht mehr mit. Immer mehr Abgeordnete, vor allem jüngere, glauben nicht mehr daran, dass Kanzler Merz die Kurve noch kriegt. Sie verschärfen jetzt mit eigenen Steuermodellen die Debatte. Merz soll es immer schwerer gemacht werden, dem sensiblen Herrn Klingbeil nachzugeben.
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