Am Donnerstag bewies Friedrich Merz erneut seinen Hang zur Opfermentalität. Beim Tag der Familienunternehmer hielt der Bundeskanzler eine Rede und stellte sich einer anschließenden Diskussion. In seiner Selbstwahrnehmung als Wirtschaftsfachmann und Kämpfer für den Mittelstand dürfte der Termin im Kalender in der Kategorie „Heimspiel“ markiert gewesen sein.
Doch für den von rhetorischem Ungeschick und zweifelhafter Politikbegabung verfolgten Friedrich Merz gibt es keine Heimspiele mehr. Der erste Fehltritt erfolgte in seiner vorbereiteten Rede. Eine Rede, die wenig mehr war als eine Wiederholung der ebenfalls vorbereiteten Rede zu seiner Regierungserklärung im Deutschen Bundestag.
Nichts aus der Rede ist programmatisch erwähnenswert, nur ein Satz fällt heraus. Der CDU-Kanzler verstärkte seine Behauptung, es schwerer zu haben als Konrad Adenauer: „Ich sage das ohne jede Larmoyanz, eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern, ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen.“ Offensichtlich reicht selbst eine doppelt vorbereitete Rede nicht mehr aus, um Herrn Merz vor der Selbstdemontage zu bewahren.
Natürlich kann man theoretisieren, welche Handlungsmöglichkeiten beim Wiederaufbau eines Staates bestehen, wie neue Institutionen und Architektur ein zerbombtes Land wieder aufrichten und wie viel schneller doch Entscheidungsprozesse in einer Krisensituation ablaufen. Man kann auch, wie Bolz und Mannhart, eine Stunde lang über Nietzsche und die asketische Zerstörung von wohlstandsverwahrlosten und damit zu gelangweilten Menschen reden. Es kann alles debattiert werden.
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