Der Kellner fragt: „Was möchtest du trinken?“ Der Energieanbieter schreibt: „Deine Rechnung ist online.“ Ein großer Möbelanbieter mailt: „Danke für deine Bestellung.“ Drei Beispiele, die so oder so ähnlich wohl jeder schon erlebt hat. Es ist nicht lange her, da sagte ich (oder dachte es zumindest): Was duzen Sie mich, Sie Flegel? Das wäre mir heute zu anstrengend, zu viele Flegeleien, zu viele Duzereien.
Die klassische Anrede „Sie“ scheint sich verabschiedet zu haben. Besser gesagt: Sie wurde von den Menschen verabschiedet, die offenbar keinen Sinn mehr darin sehen, diese feine Unterscheidung, die unsere Sprache bietet, mitzumachen. Heute wird einem das Du geradezu aufgedrängt. Siezen auf Twitter sei „unhöflich“, schrieb der Youtuber Rezo.
Paradox: Über Jahrhunderte hinweg wurden die Anredeformen immer respektvoller, konstatiert die FAZ. Ursprünglich gab es im Deutschen nur das DU, ehe sich im Hochmittelalter das IHR als höflichere Anrede für Adelige herausbildete. Im 18. Jahrhundert gab es sogar vier Anredeformen. Gehalten haben sich in der Neuzeit zwei: Sie und Du.
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